Die  Kämpfe  mit  Heinrich  VI.  391

Hauptstadt  der  ganzen  Erhebung  mit  einem  Schlage  ein  Ende  zu  1½.
machen.  Aber  manches  mußte  dem  Herzoge  selbst  den  schließlichen
Ausgang  doch  sehr  zweifelhaft  erscheinen  lassen.  Er  hatte  den  theilweisen
  Sieg  davon  getragen  dadurch,  daß  er  seine  Gegner  unvorbereitet
  traf:  jetzt  hatten  sie  sich  ordentlich  gerüstet  und  zum  Frühjahre
  mußte  er  einen  neuen  energischen  Angriff  gewärtigen.  Ob
und  wie  lange  er  demselben  würde  Widerstand  leisten  können,  war
sehr  fraglich,  zumal  er  kaum  darauf  rechnen  konnte,  daß  sich  ihm
bis  dahin  noch  neue  Hülfsquellen  eröffnen  würden.  Sein  Schwager,
Richard  I.  von  England,  war  im  Begriffe,  sich  in  eine  anderé  weit
aussehende  Unternehmung,  den  Kreuzzug,  einzulassen.  Knud  VI.
von  Dänemark,  so  angenehm  ihm  die  dem  Könige  Heinrich  bereitete
Verlegenheit  war,  sah  sich  durch  eine  Wiederherstellung  des  Welfen
in  seinen  eigenen  Interessen  gefährdet  und  dachte  daher  auch  nicht
an  eine  Unterstützung  desselben.  Die  Holsaten  und  Stormarn,
denen  er  seine  ersten,  so  große  Hoffnungen  erregenden  Erfolge  verdankte,
  waren  bereits  von  ihm  abgefallen.  Der  Erzbischof  von
Bremen  weilte,  vom  Könige  verjagt,  in  der  Verbannung.  Die  Aussichten
  für  den  im  nächsten  Sommer  bevorstehenden  Entscheidungskampf
  waren  daher  nicht  ermuthigend.  Denn  während  er  selbst
keinen  neuen  Bundesgenossen  zu  erwurten  hatte,  wuchs  die  Zahl
sowohl  wie  der  Muth  seiner  Gegner  und  er  mußte  sich  darauf  gefaßt
  machen,  daß  der  nächste  Kampf  ihm  noch  größeres  Unheil,
einen  weit  schweren  Ausgang  seiner  Schilderhebung  bringen  würde,
als  er  ihn  sieben  Jahre  zuvor  durchgemacht  hatte.  Diese  Betrachtungen
  mußten  Heinrich  den  Löwen  ernstlich  dazu  bestimmen,  die
Sache  nicht  auf  das  Aeußerste  zu  treiben,  sondern  etwaige  Aussichten
auf  einen  erträglichen  Frieden  sofort  zu  ergreifen.  Er  mußte  dies
um  so  mehr,  als  ein  letzter  Versuch,  den  er  zur  Eröffnung  neuer
Hülfsquellen  machte,  vergeblich  war.

Noch  einmal  nämlich  machte  Heinrich,  wie  es  scheint,  den  Versuch,
  sich  mit  Richard  I.  von  England  in  ein  inniges  Einverständniß
  zu  setzen  und  mit  ihm  gemeinsam  seine  Pläne  gegen  die  Hohenstaufen
  zu  verfolgen.  Es  ist  sehr  zu  bedauern,  daß  uns  gerade
über  diesen  Punkt  jede  genauere  Nachricht  fehlt.  Aber  allein  die
zwar  vollkommen  vereinzelt  dastehende,  aber  urkundlich  beglaubigte
Nachricht,  daß  Heinrich,  des  Löwen  ältester  Sohn,  im  Winter  eine
Zeit  lang  bei  seinem  Oheim  Richard  I.  verweilte  und  denselben
bis  zum  Augenblicke  seines  Aufbruchs  nach  dem  heiligen  Lande  nicht