Die  Kämpfe  mit  Heinrich  VI.  393

sehen.  All  sein  Sinnen  stand  nach  Italien:  denn  dort  vor  allem
that  seine  Gegenwart  und  ein  rasches,  energisches  Eingreifen  noth.
Am  16.  November  1189  war  Wilhelm  II.,  der  König  von  Sicilien,
gestorben.  Es  kam  daher  jetzt  für  Heinrich  VI.  darauf  an,  die  Ansprüche
  geltend  zu  machen,  welche  er  durch  seine  Gemahlin  Constanze
auf  dieses  herrliche  Reich  erworben  hatte.  Es  drängte  dies  um  so
mehr,  als  sich  sofort  nach  dem  Tode  Wilhelms  II.  Parteien  für
und  wider  die  Nachfolge  der  Hohenstaufen  bildeten.  Bereits  im
Januar  1190  wurde  des  Verstorbenen  natürlicher  Sohn,  Tancred
von  Lecce,  in  Palermo  feierlich  zum  Könige  von  Sicilien  gekrönt.
Beim  Papste,  Clemens  III.,  fand  derselbe  die  lebbafteste  Unterstützung.
  Von  der  wirklichen  Einnahme  des  sicilischen  Thrones  hing
für  die  ganze  Stellung,  für  alle  Pläne  und  Entwürfe  Heinrichs  VI.
zu  viel  ab,  als  daß  er  nicht  vor  allem  hätte  bemüht  sein  sollen,
diesen  Verlust  zu  vermeiden.  Darum  kam  es  ihm  nun  vor  allen
Dingen  darauf  an,  in  Deutschland  Ruhe  zu  stiften,  um  mit  guter
Zuversicht  und  ohne  neue  Verwickelungen  in  seinem  Rücken  fürchten
zu  müssen,  den  Eroberungszug  nach  dem  fernen  Süden  antreten  zu
können.  Dies  mußte  ihn  denn  auch  bestimmen,  mit  Heinrich  dem
Löwen  einen  Frieden  einzugehen,  ohne  die  gebührende  Strafe  mit
ganz  rücksichtsloser  Strenge  vurchzuführen.

Waren  so  beide  der  einander  bekämpfenden  Parteien,  Heinrich
der  Löwe  sowohl  wie  der  König,  zu  einem  Friedensschlusse  geneigt,
so  mußte  für  den  Welfen  der  unglückliche  Anfang  des  Kampfes  im
Jahre  1190  noch  besonders  bestimmend  werden.  Zu  Anfang  des
Mai  1190,)  rüstete  er  eine  Unternehmung  gegen  Holstein  aus:
Helmold  von  Schwerin,  Bernhard  von  Ratzeburg  und  sein  Truchseß
  Jordanus  standen  an  der  Spitze.  Von  Lübeck  aus  begannen
sie  den  Zug.  Aber  noch  waren  sie  nicht  weit  von  der  Stadt  entfernt,
  als  Graf  Adolf  von  Dassel,  der  schon  längere  Zeit  Lübeck
beunruhigt  hatte,  sie  am  Ufer  der  Trave  angriff  und  einen  glänzenden
  Sieg  davon  trug.  Die  Herzoglichen  wurden  gänzlich  auseinander
  gesprengt,  viele  fanden  in  dem  Flusse  ihren  Tod,  Helmold
von  Schwerin  und  Jordanus  nebst  vielen  der  Ihrigen  geriethen  in
die  Gefangenschaft  des  Siegers,  während  es  Bernhard  von  Ratzeburg
  gelang,  sich  durch  vie  Flucht  zu  retten.  Die  beiden  Gefangenen
mußten  den  Groll  ihrer  Gegner  schwer  fühlen:  wenig  ritterlich

1)  Arnold  Lub.  IV,  2:  Tost  advenicnte  Majo  ulcisci  volens  dux  ete...

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Mal.