Die  Kämpfe  mit  Heinrich  VI.  395

So  war  auch  dieser  verrätherische  Versuch  mislungen  und
Heinrich  der  Löwe  saß  nun  ganz  vereinsamt  auf  seiner?  Burg  zu
Braunschweig.  Seiner  wesentlichsten  Stütze,  seiner  Söhne,  war  er
beraubt.  Zwei  befanden  sich  in  der  Gewalt  des  siegreichen  Königs;
der  dritte,  Otto,  weilte  in  England.  Dort  war  er  schon  bei  des
Vaters  plötzlicher  Rückkehr  nach  Deutschland  zurückgelassen  worden
und  es  schien,  als  sollte  er  ganz  dort  bleiben.  Sein  Oheim,
Richard  I.,  hatte  eine  besondere  Vorliebe  für  ihn  und  nahm  sich  seiner
auf  das  Beste  an.  Seine  Absicht  war  offenbar,  Otto  in  England
ganz  zu  naturalisieren,  ihn  in  die  Reihen  seiner  Großen  aufzunehmen.
  Er  gab  ihm  deshalb  die  Grafschaft  York  zu  Lehen:  aber  die
einheimischen  Großen  waren  damit  wenig  einverstanden,  sie  fühlten
sich  durch  diese  augenfällige  Bevorzugung  eines  Ausländers  gekränkt
und  setzten  dem  wirklichen  Vollzuge  der  Schenkung  den  ernstlichsten
Widerstand  entgegen.  In  Folge  dessen  sah  sich  Richard  I.  denn
auch  genöthigt,  dieselbe  zurückzunehmen,  doch  entschävigte  er  seinen
Neffen  reichlich,  indem  er  ihn  mit  der  Grafschaft  Poitou  belehnte.
Dort  hat  dann  Otto  fast  seine  ganze  Jugendzeit  verlebt,  bis  er  wenige
  Jahre  später,  ein  Geschöpf  der  nach  Selbständigkeit  ringenden
Fürsten,  auf  den  Thron  der  deutschen  Könige  erhoben  wurde.

Piebentes  Kapitel.
Heinrichs  Kampf  mit  Adolf  von  Schauenburg.

Wie  weit  aber  Heinrich  der  Löwe  davon  entfernt  war,  seine
nun  abermals  mislungenen  Pläne  aufzugeben,  daß  er  vielmehr  die
nächste  günstige  Gelegenheit  zu  einer  Ernenerung  des  Kampfes  benutzen
  würde,  zeigte  sein  Benehmen  nach  dem  Fuldaer  Frieden  nur
allzu  deutlich.  Unterließ  er  doch  sofort  die  Erfüllung  mehrerer  der
mit  dem  Könige  vereinbarten  Bedingungen.  Braunschweig  sowohl  wie
Lauenburg  blieb  befestigt,  und  Heinrich  machte  keine  Anstalt,  die
versprochene  Schleifung  wirklich  vorzunehmen.)  Daß  dies  dem

1)  Arnold.  Lub.  IV,  3:  Dux  dimidietatem  ecivitatis,  sicut  promisetamen
  nec  Lawenburg  destruxzit,  nee  rat,  Adolfo,  qui  adhuc  peregrinabatur,

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