Heintichs  Kampf  mit  Abolf  von  Schauenburg.  399
dem  allgemeinen  Leiden  ergriffen  und  begann  langsam  hinzusiechen;
sein  Leben  war  in  der  größten  Gefahr.  Die  allgemeine  Entmuthigung
  wuchs  von  Tag  zu  Tage,  von  Stunde  zu  Stunde.  Die  Belagerung
  machte  natürlich  keinen  Fortschritt,  während  der  Widerstand
  der  Eingeschlossenen  immer  hoffnungsvoller  und  siegesbewußter
wurde.  Die  Lage  des  Kaisers  war  höchst  bedenklich  und  nur  mit
banger  Sorge  konnte  er  der  nächsten  Zukunft  entgegensehen.  Stand
doch  das  Unglück  vor  Neapel  nicht  allein:  nicht  bloß  Papst  Cölestin
  III.  begann  neue  Feindseligkeiten,  auch  in  Deutschland  zogen
sich  schwere  Gewitterwolken  zusammen  und  schon  kamen  dunkle  Gerüchte
  nach  Italien  von  einem  neuen,  im  Ausbruch  begriffenen
Sturme.  Heinrich  der  Löwe  sollte  schon  wieder  auf  Empörung  sinnen,
  ein  mächtiger  Fürstenbund  sollte  ihm  die  Hand  reichen,  der
Papst  und  die  gegenkaiserliche  Partei  in  Sicilien  sich  mit  beiden  verbinden,
  um  die  hohenstaufische  Macht  mit  einem  Schlage  zu  vernichten.
  Bald  sollten  sich  diese  Gerüchte  als  nur  zu  wohl  begründet
erweisen.  Daß  sich  in  Deutschland  etwas  gegen  ihn  vorbereitete,
daß  namentlich  Heinrich  der  Löwe  von  Neuem  losschlagen  wollte,
wurde  dem  Kaiser  nur  zu  bald  zur  Gewißheit.  Der  junge  Heinrich,
  des  Löwen  Sohn,  welcher  den  Zug  bisher  eifrig  mitgemacht
hatte,  verließ  bei  Nacht  und  Nebel  das  kaiserliche  Lager  und  floh
zu  den  Feinden  nach  Neapel.  Die  Nachricht  von  dem  in  Augsburg
erfolgten  Tode  seines  Bruders,  Lothar  —  den  man  sich  nicht  entblödete,
  dem  Kaiser  schuld  zu  geben  —,  die  dadurch  vollständig  gewordene
  Vereinsamung  seines  Vaters,  die  Gefahr,  der  er  sein
eigenes  Leben  durch  ein  längeres  Verweilen  in  dem  von  pestartiger
Krankheit  erfüllten  Lager  aussetzte,  gebrauchte  er  wohl  als  Vorwände.)
  Die  eigentlichen  Motive  dieser  Flucht  waren  weit  ernstlicherer
  Natur.  Das  zeigten  denn  auch  sofort  die  nächsten  Schritte
des  jungen  Welfen.

Allerdings  sann  Heinrich  der  Löwe  auf  neue  Gewaltthat;  den

1)  Ann.  Stederburg.  p.  224:
„Heinricus  itaque  adolescens
audita  morte  fratris  sui  Luderi,  cui
divina  elementia  eum  naturalium  decore
  donorum  venustam  etiam  morum
honestatem  contulerat,  timens  ctiem
malo  imminentis  morbi  florem  ineuntis
  perdere  iuventutis,  nihilque  consecutus
  promissi  sibi  honoris  nee
aggressos  sibi  videns  respondere  labores,

  cum  imperator  apud  Neapolin
coadunato  sederot  xercitu  a  2  lo
ra  imperatoris
  in  ipsum  graviter  rrenn  est,.
ratus  aliquam  sibi  ex  hoc  nasei  intricationem.
  Unde  terra  marique  omnes
ei  vias  praccludero  conatus  est;  ipse
autem  cauto  inde  elapsus  in  Neapolim
  so  contulit,  unde  navigio  calliditate,
  qua  potuit,  evasit.  —  Arnold.

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