Heinrichs  Kampf  mit  Adolf  von  Schauenburg.  405

seines  Vetters  Tode  das  königliche  Diadem  auf  die  Stirn  drücken
zu  können.  Der  Abfall  der  Dithmarsen  vom  Bremer  Erzbisthum  und
ihre  Unterwerfung  unter  den  Stuhl  von  Schleswig  war  eine  naheliegende
  Ursache  zum  Hader.  Um  aber  jede  seine  neue  Besitzung  gefährdenden
  kriegerischen  Gelüste  von  vornherein  zu  unterdrücken,  hatte  sich
Bischof  Walvemar  gleich  nach  des  Grafen  Adolf  Abreise  gegen  dessen
Statthalter,  Adolf  von  Dassel,  gewandt  und  ihn  zur  Stellung  von
Geiseln  genöthigt.)  Knud  VI.  selbst  war  mit  dieser  Handlungsweise
keineswegs  einverstanden  —  wie  er  überhaupt  mit  seinem  ehrgeizigen
  Vetter  sehr  gespannt  stand  —;  aber  Waldemar  hatte  seinen
Zweck  erreicht  und  sich  den  Besitz  Dithmarschens  gesichert.  Es  war
also  eigentlich  kein  Grund  zu  besonderem  Danke  für  Adolf  von
Schauenburg  da.  Denn  Heinrich  den  Löwen  in  seinen  Angriffen
auf  das  Land  des  Abwesenden  nachdrücklich  zu  unterstützen,  hatte
den  Dänenkönig  keine  andere  Räücksicht  abgehalten,  als  die  auf  seine
eigenen  Interessen,  denen  daraus  keine  besondere  Förderung  entsprungen
  wäre.

Die  Belagerung  von  Lübeck,  wohin  Graf  Adolf  nach  jener
Unterredung  mit  Kunud  VI.  wieder  zurückkehrte,  dauerte  noch  ohne
Entscheidung  fort.  Heinrich  der  Löwe  aber,  welcher  den  so  wichtigen
  Platz  in  steigende  Bedrängniß  gerathen  sah,  schickte  unter  dem
Grafen  Conrad  von  Rothe,  dem  er  die  Grafschaft  Stade  zu  Lehen
gegeben  hatte,  und  dem  älteren  Bernhard  von  Ratzeburg  ein  Heer
zum  Entsatze  desselben.  Unbemerkt  gelang  es  diesem  bei  Lauenburg
die  Elbe  zu  überschreiten  und  durch  einen  völlig  unvorhergesehenen
Ueberfall  die  Schaaren  des  jungen  Grafen  Bernhard,  der  bei  Ratzeburg
  stand,  gänzlich  zu  zersprengen,  so  daß  sie  sich  in  eiliger  Flucht
hinter  die  schützenden  Mauern  von  Ratzeburg  zurückzogen.  Die
Folge  dieses  Sieges  war,  daß  die  Belagerung  von  Lübeck  in  aller
Eile  aufgehoben  werden  mußte:  selbst  das  Lager  mit  seinen  reichen
Vorräthen  fiel  in  die  Hände  der  erfreut  hervorströmenden  Bürger.
Die  siegreichen  Krieger  des  Herzogs  wollten  dem  abziehenden  Feinde
auf  dem  Fuße  folgen:  an  einem  kleinen  Flüßchen,  der  Schwartau,
nicht  fern  von  Lübeck,  kam  es  zum  Gefecht.  Die  von  Lübeck  abgezogenen
  Truppen  des  Grafen  Adolf  hatten  eine  Furth  besetzt;  vergebens
  suchten  die  Leute  Conrads  von  Rothe  den  Uebergang  zu

1)  Arnold.  Lub.  IV.  8:  In  ipsa  agens  mazimas,  quod  tempore  pereautem

  obeidione  abiit  ad  Canutum  —  grinationis  terra  ipsius  per  eum  pacem
salatans  eum,  similiter  et  gratias  firmissimem  babuisset.