Heinrichs  Kampf  mit  Adolf  von  Schauenburg.  407

genden  Dörfer,  um  die  Bürger  in  Schrecken  zu  setzen  und  ihre
Unlust,  sich  für  Heinrich  den  Löwen  solchen  Gefahren  und  dem
Verluste  ihres  ganzen  Wohlstandes  auszusetzen,  zu  offenem  Ausbruch
  zu  bringen.  Conrad  von  Rothe,  dem  Heinrich  der  Löwe  die
Vertheidigung  Stades  übertragen.,  kannte  diese  Stimmung  nur  zu
gut;  auch  sah  er  die  Unmöglichkeit  ein,  unter  diesen  Umständen
eine  ernstliche  Vertheidigung  zu  versuchen:  wollte  er  das,  so  lief  er
Gefahr,  daß  ein  offener  Aufstand  der  gereizteu  Bürger  ihn  seinen
Feinden  in  die  Hand  lieferte.  Es  blieb  ihm  daher  nichts  übrig
als  die  Stadt  ohne  Weiteres  preiszugeben.  Doch  ließ  er  die  Bürger
nichts  von  seinem  Vorhaben  merken.  Wie  zu  einer  kleinen  Unternehmung
  oder  auf  Kunoschaft  auszureiten,  stieg  er  eines  Tages  zu
Pferde,  ermahnte  die  Bürger  zum  treuen  Ausharren  bei  dem  Herzoge
und  ritt  weg:  er  kam  nicht  wieder;  seine  Frau  und  seine  Familie,
all  sein  Eigenthum  hatte  er  zurückgelassen.  Sobald  die  Bürger
dieses  Sachverhaltes  inne  wurden,  übergaben  sie  sich  dem  Grafen
Avolf  von  Schauenburg.  Derselbe  nahm  die  Stadt  nun  im  Besitz:
auch  zeigte  er  sich  seinem  Worte  getreu.  Er  behandelte  die  Bürger
nicht  nur,  wie  er  versprochen,  durchaus  freundlich,  sondern  bewies
sich  auch  gegen  die  zurückgelassene  Familie  seines  Gegners  sehr  ritterlich:
  er  ließ  die  Gemahlin  Conrads  von  Rothe  mit  den  Ihrigen  unter
sicherem  Geleite  fortbringen.  Freilich  soll  ihm  dieser  Edelmuth  nicht
sehr  gedankt  worden  sein,  denn  die  abziehenden  Frauen  sollten  nicht
bloß  Gold  und  Schätze,  sondern  auch  viele  Waffen  aus  der  Stadt
mit  sich  fortgeführt  haben.!)

Diesen  neuen,  höchst  empfindlichen  Verlust  Stades  suchte  Heinrich
  der  Löwe  vor  allen  Dingen  wieder  gut  zu  machen  und  richtete
deshalb  seine  ganze  Kraft  zunächst  dahin.  Von  Lüneburg  aus,  das  treu
an  seiner  Sache  hielt  ),  brach  sein  Sohn  Heinrich  mit  Hecresmacht
in  die  Grafschaft  Stade  ein,  mit  ihm  war  der  Erzbischof  Hartwig  von
Bremen,  welcher,  aus  England  zurückgekehrt,  sich  sofort  wieder  an
Heinrich  den  Löwen  angeschlossen  hatte:  so  wenig  sie  sonst  einander
nahe  gestanden  hatten,  so  waren  jetzt  ihre  Interessen  doch  auf  das
Engste  verflochten  und  derselbe  Weg  war  ihnen  beiden  vorgeschrieben.
Schwere  Verwüstungen  bezeichneten  den  Weg  des  Heeres.  Es  rückte
vor  Stade  und  verlangte  Einlaß,  wurde  aber  einfach  abgewiesen.
Des  jungen  Heinrich  Antwort  darauf  bestand  in  neuen  Verwüstun-1)

  Arnold.  Lub.  IV,  10.  acerrime  ei  ineistobant  et  eruptiones
2)  ibid.  Luneburgenses  tamen  eaepius  facientes  depraedationes  et