102.

Juni.

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410  3.  Buch.  8.  Kapitel.

Achtes  Kapitel.

Der  große  Fürstenbund  gegen  Heinrich  VI.  und  Heinrichs
des  Löwen  Theilnahme  daran.

Heinrichs  des  Löwen  Sache  stand  schlecht.  Von  seinen  ein
Jahr  zuvor  in  raschem  Fluge  und  fast  ohne  ernstlichen  Kampf  gemachten
  Eroberungen  ging  jetzt  eine  nach  der  andern  wieder  verloren,
  Graf  Adolf  hatte  sich  bereits  wieder  seines  ganzen  Gebietes
bemächtigt;  jetzt  rüstete  sich  auch  Bernhard,  um  von  diesem  durch
anderer  Arbeit  herbeigeführten  Umschwung  Nutzen  zu  ziehen  und
sein  Herzogthum,  das  er  sich  selbst  zu  erhalten  nicht  vermocht  hatte,
wieder  in  Besitz  zu  nehmen.  Nur  an  einem  Punkte  war  Heinrich
der  Löwe  im  Sommer  1192  entschieden  glücklich  gewesen,  in  der
Vertheidigung  seiner  Hauptstadt.  Die  Bischöfe  von  Hilvesheim
und  Halberstadt,  der  Abt  von  Corvey  und  andere  geistliche  und
weltliche  Herrn  hatten  ein  Heer  gesammelt  und  brachen  damit  gegen
Braunschweig  selbst  auf.  Nicht  weit  davon,  bei  dem  Orte  Lefforde  an
der  Oker,  schlugen  sie  ihr  Lager  auf,  auf  der  einen  Seite  vom  Wasser,
auf  der  andern  durch  einen  Graben  geschützt.  Von  hieraus  begannen
  sie  Mitte  Juni?  die  Feindseligkeiten  gegen  Braunschweig.  Aber
die  Stadt  war  gut  befestigt  und  trefflich  vertheidigt.  Das  Mislingen  der
ersten  Versuche  ließ  die  Kraft  der  Angriffe  erschlaffen  und  statt  die
Festung  zu  berennen,  fingen  sie  an,  die  ganze  Umgegend  in  der
rücksichtslosesten  Weise  auszuplündern.  Das  arme  Land  mußte  die
Thaten  des  Herzogs  entgelten.  Selbst  Kirchen  und  Klöster  wurden
nicht  geschont,  und  da  das  Heer  alle  Nahrungsmittel  wegnahm,
entstand  vielfach  der  größe  Mangel.  Die  Geistlichkeit  sah  sich  wohl
gar  genöthigt  zum  Verkauf  der  heiligen  Gefäße  und  der  Glocken
zu  schreiten,  um  aus  dem  Erlöse  nur  das  Nöthigste  für  den  Unterhalt
ihrer  Mitglieder  zu  gewinnen.  An  eine  ernstliche  Belagerung  der
Stadt  dachte  man  draußen  nicht  mehr.  So  sehr  waren  die  Fürsten
und  ihre  Krieger  mit  Raub  und  Plünderung  beschäftigt,  daß  sie  selbst
die  günstige  Gelegenheit  zu  benutzen  versäumten,  welche  ein  in  Braunschweig
  ausbrechender  Aufruhr  ihnen  zu  einem  ernstlichen  Schlage  darbot.
Es  entstand  nämlich  Streit  wegen  einiger  Gefangener,  bei  dem  sich

1)  Ann.  Stedorburg.  p.  225:  —  in  foesto  sanctis  Barnabae  apostoli
(11.  Juni).