Der  große  Fürstenbund  gegen  Heinrich  VI.  #.  411
der  Vogt  von  Braunschweig,  Ludolf,  nebst  seiner  Familie  und  einem
nicht  unbeträchtlichen  Anhang  entschieden  gegen  den  Herzog  auflehnte.
  Ja,  es  kam  schließlich  soweit,  daß  Ludolf  mit  den  Seinigen
die  Stadt  verließ  und  sich  offen  den  Gegnern  Heinrichs  anschloß:
mit  ihnen  im  Bunde  setzte  er  nun  von  den  benachbarten  festen
Orten  Dalheim  und  Wenden  aus  den  Verwüstungskampf  fort.)  Die
Leiden  des  Landes  stiegen  von  Tag  zu  Tage,  eine  Entscheivung  des
Kampfes  war  nicht  abzusehen,  so  daß  sich  endlich  Propst  Gerhard
von  Stederburg  berufen  fand,  das  undankbare  Geschäft  eines  Friedensvermittlers
  zu  übernehmen.  Seine  Bemühungen  hatten  denn
auch  den  gewünschten  Erfolg.  Am  18.  August  wurde  zwischen  den
Fürsten  nud  Heinrich  dem  Löwen  ein  Waffenstillstand  geschlossen
bis  zu  Michaelis  und  die  Gegend  dadurch  von  einer  schweren
Geißel  befreit.))  Bloß  den  verrätherischen  Ludolf  hatte  man  nicht
mit  in  den  Vertrag  eingeschlossen.  Gegen  ihn  wandte  sich  nun  der  junge
Heinrich,  vertrieb  ihn  erst  aus  Wenden,  schloß  ihn  dann  in  Dalheim
ein.  Schon  nach  einer  Belagerung  von  wenigen  Tagen  mußte  sich
Ludolf  sammt  seinem  jüngeren  Sohne  ergeben,  während  es  dem
älteren  gelang,  durch  die  Flucht  zu  entkommen.  Beide  wurden  gefangen
  abgeführt;  Ludolfs  Burgen  aber  übergab  Heinrich  der  Löwe
anderen  Getreuen..)  Auch  abtrünnige  Vassallen  mußten  jetzt  seine
strafende  Hand  fühlen:  so  namentlich  Ludolf  von  Peina,  dessen
Burg  ebenfalls  zerstört  wurde.“)

18.  Aug.

Doch  war  dieser  Vortheil  nur  von  geringer  Bedentung;  die

Verluste  aufzuwiegen,  welche  der  Herzog  gleichzeitig  im  Kampfe  mit
Adolf  von  Schauenburg  erlitten  hatte,  war  er  nicht  hinreichend.  Aber
trotz  aller  unglücklichen  Gefechte  gab  Heinrich  seine  Sache  noch  keineswegs
  verloren:  kämpfte  er  doch  nicht  allein  und  ohne  Hülfe,  war
er  doch  nur  das  Glied  eines  mächtigen,  über  ganz  Deutschland  verbreiteten,
  zum  Auslande  in  den  intimsten  Beziehungen  stehenden

1)  An.  v.  Stederburg.  26:
Interim  in  ciritate  Brunswich  pro
duibusdam  coptivis  intestina  qunedem
seditio  orta  est,  in  qua  advocatus
Ludolfus  cum  flliis  suis  et  cognatis
perniciosissime  notatus  est;  qua,  ut
Plorique  autumant,  non  ut  loposlftam
erat,  terminato,  si  quid  in  animo  gerebat,
  iam  dictus  advocatus  ad  lucem
exposuit.  Nam  cum  flüis  suis  a  servitio
  ducis  et  civitate  elapsus,  in  tuta
loca,  seilicet  Dalem  ot  Winethen,  ec

contulit  —  —  deinceps  hostibus  ducis
adiunctus  est.
21  ibid.  —  essleax  praehositi

Gerbardi  diligentia  operata  est,  qui
internuncius  utriusque  partis  aädurit
consensum  ot  pace  usdue  ad  fostum
sancti  Michaelis  promiesa  in  die  Agebiti
  martiris  satis  inohinate  ct  misero
termino  conventus  ille  dissolutus  est.
n  hac  paco  Ludollus
non  est  inclusus  —  —  ete.
4)  Ann.  Stederburg.  p.  227.