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412  3.  Buch.  8.  Kapitel.

Fürstenbundes,  welcher  sich  gegen  Heinrich  VI.  gebildet  hatte  mit
der  ausgesprochenen  Tendenz,  die  kaiserliche  Autorität  zu  brechen
und  in  die  engsten  Schranken  einzuschließen.  Verloren  war  Heinrichs
  des  Löwen  Sache  erst,  wenn  diese  Pläne  mislangen,  wenn
der  Fürstenbund  vor  der  Ausführung  seiner  Absichten  zersprengt
wurde.  Dies  aber  geschah  gerade  in  dem  Augenblick,  wo  Heinrich
der  Löwe  eines  starken  Rückhaltes  am  allernöthigsten  bedurfte.  Ein
an  sich  unscheinbares,  aber  in  seinen  Folgen  unendlich  wichtiges
Ereigniß  ließ  die  ganze  Constellation,  auf  der  Heinrichs  neue  Unternehmung
  fußte,  in  der  er  selbst  ein  sehr  wesentlicher  Factor  war,
mit  einem  Schlage  zerfallen,  und  während  der  Kaiser  eben  noch  am
Rande  eines  Abgrundes  zu  schweben  schien,  hatte  er  jetzt  auf  einmal
  ganz  Deutschland,  namentlich  aber  die  Fürsten  fester  in  seiner
Hand  als  je  zuvor.

Daß  jeder  fernere  Kampf  ihm  nur  noch  mehr  schaden  konnte,
daß  seine  Wiederherstellung  auch  diesmal  nicht  gelingen  würde,  erkannte
  Heinrich  der  Löwe  in  dem  Augenblick,  wo  ihm  die  traurige
Kunde  gebracht  wurde,  daß  sein  Schwager,  Richard  I.  von  England,
sich  als  Gefangener  in  der  Hand  des  Kaisers  befinde.  Davurch
wurde  auf  einmal  die  Lage  der  deutschen  Dinge  eine  ganz  andere.
Diese  allgemeinen  Angelegenheiten  aber  sind  es,  welche  das  endgültige
  Mislingen  des  welfischen  Versuches  zu  einer  Wiederherstellung
  veranlaßt  haben.  Auf  sie  müssen  wir  hier  daher  näher
eingehen.

Nur  mit  ernstlicher  Besorgniß  hatten  die  deutschen  Fürsten
die  steigende  Machtentfaltung  des  kaiserlichen  Hauses  der  Hohenstaufen
  gesehen;  die  Verbindung  der  deutschen  Krone  mit  der
des  mächtigen  sicilischen  Reiches,  welche  Heinrich  VI.  zu  vollziehen
  im  Begriff  war,  schien  diese  Uebermacht  vollends  zur
Geltung  bringen  zu  sollen.  Manche  von  ihnen  freuten  sich,  als  die
Kunde  kam  von  dem  Unglück,  das  ihn  vor  Neapel  getroffen;  die
Nachricht  von  des  Kaisers  schwerer  Krankheit  erweckte  in  ihnen
sogar  die  Hoffnung,  unerwartet  schnell  von  dem  übermächtigen  Herrscher
  befreit  zu  werden.  Es  ist  erklärlich,  wie  schon  damals  bei
manchem  der  Gedanke  aufsteigen  konnte,  die  Umstände  zu  benutzen
und  einen  neuen  König  zu  wählen:  namentlich  Heinrich  der  Löwe
selbst  soll  diesem  Plane  nahe  gestanden  haben.)  Aber  noch  hatte

1)  Ann.  Stadens.  p.  352.