Der  große  Fürstenbund  gegen  Heinrich  VI.  2c.  413

man  nicht  ernstlich  an  die  Ausführung  dieses  Gedankens  gehen  können,
als  Heinrich  VI.,  Italien  einstweilen  sich  selbst  überlassend,  schon
nach  Deutschland  zurückeilte.  Zwar  kam  er  nur  mit  traurigen
Resten  seines  Heeres,  seine  edle  Gemahlin  hatte  er  in  den  Händen
seiner  Gegner  zurücklassen  müssen,  er  selbst  war  kaum  von  schwerem
Siechthume  genesen:  aber  seine  Kraft  und  Umsicht,  seine  raschhandelude
  Energie  waren  ungebrochen,  ja,  mit  der  steigenden  Gefahr,
mit  den  Schwierigkeiten,  die  sich  ihm  von  allen  Seiten  entgegenthürmten,
  schienen  sich  auch  diese  glänzenden  Eigenschaften  zu  verdoppeln.
  Doch  war  er  auch  von  den  Umständen  in  hohem  Maße
begünstigt.  Kanm  hatte  er  seinen  Fuß  auf  dentschen  Boden  gesetzt,
als  er  die  Nachricht  empfing,  daß  der  greise  Herzog  Welf  VI.  am
15.  December  1191  zu  Memmingen  gestorben  war.  Der  Kaiser
selbst  erwies  ihm  auf  seiner  Reise  nach  Schwaben  die  letzte  Ehre,
indem  er  sich  selbst  dem  Zuge  anschloß,  welcher  die  irdischen  Ueberreste
  des  greisen  Helden  von  seinem  Schloß  zu  Memmingen  zur
letzten  Ruhe  in  das  Kloster  Steingaden,  seine  Lieblingsstiftung,  geleitete.
  Jetzt  trat  jener  Vertrag  in  Kraft,  durch  den  einst  Welf  VI.
den  Kaiser  Friedrich  I.  uud  sein  Haus  zu  Erben  eingesetzt  hatte,
der  zugleich  ein  so  wesentlicher  Anlaß  geworden  war,  zu  der  immer
feindlicher  hervortretenden,  schließlich  so  verhängnißvollen  Spannung
  zwischen  dem  Kaiser  und  Heinrich  dem  Löwen.  Ohne  Widerspruch
  nahm  nun  Heinrich  VI.  die  so  reiche  Verlassenschaft  seines
Großoheims  in  Besitz:  die  umfangreichen  und  werthvollen  Ländereien
in  Süddeutschland,  namentlich  in  Schwaben,  die  so  wichtigen  Besitzungen
  in  Italien,  unter  dem  Namen  der  mathildischen  Güter
vereinigt,  kamen  jetzt  in  Heinrichs  Hand  und  bildeten  einen  in
so  trüber  Zeit  doppelt  erwünschten  Zuwachs  zu  seiner  Macht.  Fast
gleichzeitig  damit  trat  noch  ein  anderes  Ereigniß  ein,  welches  nicht
bloß  seine  Macht  noch  mehr  steigerte,  sondern  ihm  in  Süddeutschland
  das  entschiedenste  Uebergewicht  verschaffte.  Im  Herbst  1191
war  durch  den  Tod  Herzogs  Friedrichs  V.  das  Herzogthum  Schwaben
  erledigt.  Heinrich  gab  es  nun  an  seinen  Bruder  Conrad,  der
schon  Herzog  von  Franken  war  und  durch  seinen  reichen  Hausbesitz
in  diesen  Gegenden  den  entschiedensten  Einfluß  gewann.  Ein  so  ungestörtes
  Geltendmachen  seiner  Befugnisse  und  die  bedeutende  Stärkung
seines  Ansehens,  welche  Heinrich  VI.  aus  diesen  beiden  Ereignissen
zog,  mochten  die  misgestimmten,  eben  an  eine  Neuwahl  denkenden
Fürsten  denn  doch  etwas  stutzig  machen:  sie  gingen  in  der  Ausfüh-92.

