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416  3.  Buch.  8.  Kapitel.

brachten  Anhänger  des  Ermordeten  erhoben  sich  mit  bewaffneter
Hand,  an  der  Spitze  sein  Bruder,  Graf  Heinrich  von  Brabant.
In  wenig  Tagen  war  Lothar,  der  vergeblich  seine  Unschuld  betheuerte,
  zu  eiliger  Flucht  genöthigt.  Gelang  es  nun  dem  Kaiser
auch  durch  strenge  Bestrafung  der  Thäter  den  schlimmsten  Verdacht
von  sich  abzuwenden,  auch  die  Verwandten  des  Ermordeten  sich  persönlich
  zu  versöhnen,  so  war  er  doch  außer  Stande,  den  Sturm  zu
beschwören,  welcher  sich  auf  diese  Veranlassung  gegen  ihn  erhob.
In  den  Niederlanden  erhob  sich  eine  wilde,  verwüstende  Fehde.
Dazu  kam,  daß  Baiern  seit  Jahren  von  den  wildesten  Kämpfen  zerrissen
war,  zwischen  dem  Herzog  Ludwig  und  dem  Grafen  Heinrich  von
Bogen,  auf  dessen  Seite  die  Herzöge  von  Böhmen,  Oesterreich  und
Meran  standen.  Nicht  besser  stand  es  in  Mitteldeutschland:  in
Obersachsen  lag  der  Markgraf  Albert  von  Meißen  in  blutigem
Bruderkriege  mit  seinem  Bruder  Dietrich,  für  den  der  Landgraf  von
Thüringen  auf  den  Kampfplatz  trat.  Im  Norden  Deutschlands
endlich  stand  Heinrich  der  Lawe  in  Waffen,  und  wenn  ihm  auch  damals
  Graf  Adolf  von  Schauenburg  viel  Abbruch  gethan  hatte,  so
war  er  doch  immer  noch  ein  gefährlicher  Gegner.

Jetzt,  wo  auf  allen  Seiten  wilde  Gährung  herrschte,  schien  den
deutschen  Fürsten  der  Augenblick  gekommen,  lange  gehegte  Pläne  ins
Werk  zu  setzen.  Die  Macht  des  Kaiserthums  hatte  sich  in  den
Händen  der  gewaltigen  Hohenstaufen  zu  bisher  ungekanntem  Glanze
erhoben;  schon  als  Friedrich  I.  zum  Kreuzzug  aufbrach,  dann  bei
dem  unglücklichen  Ausgange,  den  Heinrichs  VI.  Zug  gegen  Sicilien
nahm,  hatten  sie  gehofft,  dasselbe  einschränken  zu  können.  Beide
Male  waren  sie  durch  das  umsichtige  und  energische  Auftreten  des
jugendlichen  Kaisers  daran  gehindert  worden.  Weit  günstiger  als
bei  diesen  beiden  früheren  Versuchen  standen  die  Dinge  jetzt.  Graf
Heinrich  von  Brabant,  der  den  Kaiser  des  an  seinem  Bruder  begangenen
  Mordes  zieh,  war  gleichsam  der  Vertreter  aller  Misvergnügten,
  rief  sie  alle  zu  einem  großen,  gemeinsamen  Entscheidungskampfe
  auf.  Zuerst  schlossen  sich  ihm  natürlich  seine  Verwandten
an,  sie  hatten  ja  denselben  Grund  des  Hasses  gegen  Heinrich  VI.
Der  mächtige  Herzog  Heinrich  von  Limburg  und  Erzbischof  Bruno
von  Cöln  gingen  ein  Bündniß  mit  ihm  ein.  Nachdem  aber  so  einmal
  der  Grund  gelegt  war  zu  einer  Vereinigung  gegen  den  Kaiser,
ließen  auch  die  übrigen  Fürsten  nicht  mehr  lange  auf  sich  warten.
Conrad,  der  Erzbischof  von  Mainz,  Herzog  Berthold  von  Zäringen