Der  große  Fürstenbund  gegen  Heinrich  VI.  2c.  417

schlossen  sich  den  bereits  Verbündeten  an;  daß  Heinrich  der  Löwe,
daß  Herzog  Ottokar  von  Böhmen,  welcher  im  Bunde  mit  dem  Grafen
  von  Bogen  des  Kaisers  Anhänger  in  Baiern  befehdete,  hinzutraten,
  versteht  sich  von  selbst.  Auch  Markgraf  Albert  von  Meißen,
Landgraf  Hermann  von  Thüringen  sagten  ihre  Mitwirkung  zu.)
Seine  wahre  Bedeutung  aber  gewann  dieser  dem  Kaiser  schon  so
gefährliche  Bund  erst  durch  die  Beziehungen,  in  welche  er  zum  Auslande
  trat,  und  die  bedeutenden  Hilfsquellen,  welche  sich  ihm  von
dorther  öffneten.  Daß  Papst  Cölestin  III.  sich  den  Gegnern  des
Kaisers  anschließen  würde,  war  keinen  Augenblick  zweifelhaft:  hatte
er  sich  doch  stets  den  Unternehmungen  Heinrichs  VI.  entgegengestellt
und  erst  noch  kürzlich,  nicht  bloß  bei  der  Unternehmung  gegen  das
sicilische  Reich,  sondern  namentlich  auch  bei  dem  Abfalle  des  jungen
Welfen  durch  dessen  Inschutznahme  seine  Gesinnungen  zu  deutlich
documentiert.  Im  äußersten  Süden  trat  natürlich  Tancred  von
Lecce  als  wichtiges  Glied  in  den  großen  Kreis,  der  den  Kaiser  von
allen  Seiten  einschließen,  ihn  endlich  erdrücken  sollte.  Durch  die
verwandtschaftliche  Verbindung,  welche  derselbe  gerade  in  dieser  Zeit
mit  dem  byzantinischen  Kaiserhause  einging,  griff  die  Verbindung
weit  hinüber  nach  Osten.  Im  Norden  war  ihr  Hauptvertreter  natürlich
  Heinrich  der  Löwe:  hinter  ihm  aber  trat  auch  Knud  VI.  von
Dänemark  heran.  Von  allen  Seiten  war  so  der  Kaiser  von  ihm
feindlichen  Elementen  umringt,  nur  noch  nach  einer  Seite  hin  fehlte
der  Abschluß,  nach  Westen.  Aber  auch  in  dieser  Richtung  konnten
die  Fürsten  ihr  Unternehmen  für  gesichert  ansehen:  Richard  I.  von
England  stand  zu  ihnen  schon  seit  längerer  Zeit  in  den  intimsten
Beziehungen,  mit  Heinrich  dem  Löwen,  einem  der  wichtigsten  Glieder
  des  Bundes,  war  er  durch  die  Bande  des  Blutes  wie  Gemeinsamkeit
  der  Interessen  vereinigt,  hatte  ihm  auch  schon  früher  in  seinen
  Plänen  gegen  Heinrich-  VI.  zur  Seite  gestanden.  Sein  Beitritt,
der  bereits  ganz  gesichert  war,  sollte  die  letzte  Lücke  ausfüllen,  welche
in  der  sonst  so  eng  geschlossenen  Kette  war;  gleich  nach  seiner  Rückkehr
  aus  dem  Orient  wollte  man  das  in  aller  Stille  Vorbereitete
ausführen.  Es  leuchtet  ein,  in  einer  wie  bedenklichen  Lage  sich  Heinrich
  VI.  einem  solchen  Angriffe  gegenüber  befand.  Die  Gefahr  war
eine  sehr  ernstliche:  die  Fürsten  hatten  ihre  Entwürfe  so  gut  gemacht,
  daß  der  Erfolg  kaum  zweifelhaft  sein  konnte.

1)  Die  zablreichen  Quellenstellen  über  stellt  bei  O.  Abel,  K.  Philipp  d.  H.
diesen  Fürsteubund  sind  zusammenge-  p.  304  ff.

Prug,  Heinrich  der  Löwe.  «  27