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424  3.  Buch.  9.  Kapitel.

Er  hatte  ihn  gemacht  unter  den  günstigsten  Umständen,  auf  das
Nachdrücklichste  gefördert  von  der  eigenthümlichen  Gestaltung,  welche
die  gesammten  deutschen  Angelegenheiten  angenommen  hatten.  Das
Glück  war  ihm  im  Anfange  auch  hold  gewesen,  er  hatte  große  Vortheile
  erkämpft.  Mit  dem  plötzlichen  Zerfallen  des  künstlichen  Baues
aber,  der  auch  seine  Unternehmung  trug,  war  auch  sein  Glück  in
nichts  zusammengesunken;  von  den  zahlreichen  Eroberungen,  die  er
in  raschem  Fluge  gemacht  hatte,  mußte  er  eine  nach  der  anderen
wieder  räumen.  Schließlich  konnte  er  fast  noch  von  Glück  sagen,
daß  ihm  der  Kaiser  nicht  auch  noch  die  letzten  Reste  seines  Stammlandes
  entriß,  und  er  wenigstens  im  Besitze  seines  braunschweigischen
Erbes  blieb.  Alle  diejenigen,  auf  deren  Unterstützung  er  gerechnet
hatte,  hatten  ihn  im  Stiche  gelassen:  der  Fürstenbund  war  zerfallen,
sein  dänischer  Schwiegersohn  begnügte  sich  damit,  nur  sich  selbst  zu
schützen;  nun  war  auch  noch  Richard  I.,  der  unternehmendste  von
allen,  jeder  Gelegenheit  ihn  zu  fördern  beraubt.  Durch  ein  geheimnißvolles
  Versprechen  hatte  er  sich  die  Hände  gebunden.  Allerdings
war  die  Erfüllung  desselben  wohl  noch  ziemlich  zweifelhaft,  zumal  da
Zuverlässigkeit  eben  nicht  zu  den  hervorstechendsten  Eigenschaften
Richards  gehörte.  Auch  hat  er  das  gegebene  Versprechen  später  wirklich
nicht  erfüllt,  wie  daraus  hervorgeht,  daß  er  die  ganze  ausbedungene
Summe  noch  nachträglich  bezahlt  hat.  Aber  einmal  diese  so  entschieden
  ungünstige,  recht  eigentlich  auf  seine  gänzliche  Schwächung
berechnete  Bedingung,  dann  die  auch  noch  nach  Abschluß  des  Vertrages
  immer  weiter  hinausgeschobene  Freilassung  Richards  nahmen
den  Welfen  auch  die  letzte  Hoffnung,  auf  dem  eingeschlagenen  Wege
zum  Ziele  zu  kommen.  Heinrich  der  Löwe  selbst  wurde  alt  und
schwach,  sein  trotziger,  tollkühner  Muth  war  allmählich  weich  geworden
  unter  den  harten  Schicksalsschlägen,  die  ihn  so  rasch  hinter  einander
  getroffen.  Dazu  war  er  zweier  seiner  natürlichen  Stützen,
seiner  Söhne,  beraubt.  Otto  wurde  vom  Kaiser  in  strengem  Gewoahrsam

  gchalten;  fast  wie  einen  Gefangenen  behandelte  man  ihn.

Erst  auf  die  Verwendung  Richards  I.  gewährte  ihm  Heinrich  VI.
drei  Diener;  desselben  Bitte  aber,  ihn  mit  auf  den  neuen  Zug  nach
Italien  zu  nehmen,  schlug  er  aus  Mistrauen  gegen  Heinrich  den
Löwen  ab.))  Wohl  mochte  der  Kaiser  fürchten,  daß  er  mit  ihm

1)  Radulf.  Diceto.  a.  1194  ap.  seire  volumus,  quod  fldeles  tui  —  —

Tyysden  p.  674  führt  die  Antwort  multa  supplicationo  institerunt,  qua-Heinrichs
  VI.  an:  Electionem  tuam  tinus  Ottonem,  nopotem  tuum,