Heinrichs  des  Lbwen  letzte  Tage.  429

ches  zwei  Glieder  dieser  Familien  verband,  sollte  für  beide  Geschlechter
sowie  vas  gesammte  Deutschland  von  Segen  werden.  Vor  allem
aber  mußte  den  Neuverbundenen  daran  gelegen  sein,  daß  auch  das
greise  Haupt  der  Welfen,  Heinrich  der  Löwe  selbst,  mit  davon  umschlungen
  werde,  daß  auch  er  endlich  seinen  Frieden  mit  dem  Kaiser
machte.  Es  dahin  zu  bringen  war  nicht  leicht.  Aber  Pfalzgraf
Conrad  ruhte  und  rastete  nicht,  bevor  er  dieses  Ziel  erreicht.  Er
selbst  machte  sich  auf  und  ritt  nach  Braunschweig,  wo  in  trauriger
Einsamkeit  der  greise  Welfe  Hof  hielt.  Er  meldete  das  Glück  seines
Sohnes  und  stellte  ihm  vor,  wie  jetzt  der  Augenblick  gekommen  sei
zu  einer  offenen  und  ehrlichen  Aussöhnung  mit  Heinrich  VI.,  dem
Sohne  seines  einstigen  Freundes.  Zugleich,  überbrachte  er  ihm  im
Namen  des  Kaisers  eine  Aufforderung,  sich  auf  einem  zu  Saalfeld
zu  haltenden  Fürstentage  einzufinden.)

Heinrich  der  Löwe  erklärte  sich  bereit  dazu.  Er  mochte  sich
selbst  nach  Ruhe  und  Frieden  sehnen.  Von  der  Unerreichbarkeit  der
ihm  zunächst  vorschwebenden  Pläne  hatte  er  sich  überzeugt,  auch
wollte  er  den  neuen  Schimmer  von  Glück,  der  ihm  in  seinem  Sohne
und  dessen  Verbindung  mit  des  Pfalzgrafen  Tochter  aufzugehen
schien,  nicht  gleich  stören,  sondern  zu  einem  gleichmäßigen  Lichte  erstarken
  lassen.  Der  Einladung  des  Kaisers  folgend  brach  er  im
Februar  1194  von  Braunschweig  auf,  um  sich  nach  Saalfeld  zu  begeben.
  Bei  Bothfelde  aber,  nicht  weit  von  Elbingerode,  hatte  er
das  Unglück  mit  dem  Pferde  zu  stürzen  und  sich  eine  Quetschung
des  Schenkels  zuzuziehen,  welche  ihm  die  sofortige  Weiterreise  unmöglich
  machte.  Er  ließ  sich  in  das  Kloster  Walkenried  am  Südabhange
  des  Harzes  bringen,  um  dort  seine  Wieverherstellung  abzuwarten.
  An  den  Kaiser  aber  sandte  er  Boten  mit  der  Meldung
von  dem,  was  ihm  zugestoßen  sei  und  ihn  an  der  rechtzeitigen  Ankunft
  in  Saalfeld  verhinderte.  So  sehr  aber  war  Heinrich  VI.  noch
von  Mißtrauen  gegen  den  greisen  Welfen  erfüllt,  daß  er  bei  dieser
Nachricht  bevenklich  den  Kopf  schüttelte  und  ihre  Wahrheit  in  Zweifel
ziehend  meinte,  der  Lowe  suche  nur  einen  Vorwand,  unter  dem  er
sich  der  lästigen  Zusammenkunft  entziehen  könnte.  Doch  beschloß  er
sammt  den  Fürsten,  die  Herstellung  des  Herzogs  abzuwarten.)  Um

1)  Ann.  Steder  burg.  p.  227:  itaque  —  consilio  atini  acquieseit
(Palatinus  comes)  —  ducem  seniorem  ciquo  curia  in  Salefelde  pracscribi-Brunswich
  adiit  eumque  ad  prae-  tur.  —  —
sentiam  imperatoris  evocat.  —  —  Dux  2)  Ann.  Stederburg.  p.  227:

1194.

Februar.