Heinrichs  des  Löwen  letzte  Tage.  431

Erstgeborenen  aus  zu  dem  Zuge  nach  Apulien.  Bald  darnach  brach
derselbe  mit  dem  Kaiser  dorthin  auf.  Der  greise  Herzog  blieb  ganz
einsam  in  seinem  Schlosse  zurück,  und  wohl  mochte  ihm  da  zuweilen
recht  trüb  und  bang  zu  Muthe  werden,  wenn  er,  des  nahenden
Endes  gedenkend,  sich  so  ganz  verlassen  sah.  Seine  Gemahlin  ruhte

im  Dome  in  ihrer  Gruft,  seine  Söhne  waren  fern,  der  eine  umgeben
  von  den  Gefahren  des  Krieges  die  andern  in  der  Hand  des
Mannes,  mit  dem  er  selbst  sich  zwar  ausgesöhnt  hatte,  zu  dem  er
aber  noch  immer  kein  rechtes  Zutrauen  fassen  konnte.  Da  suchte  er
denn  Trost  und  Zerstreuung  in  der  eifrigen  Sorge  für  Klöster  und
Kirchen,  in  dem  Umgange  und  der  belehrenden  Unterhaltung  mit
Geistlichen,  von  denen  ihm  namentlich  der  Propst  Gerhard  von
Stederburg  nahe  stand.  Auch  den  Sitz  seiner  einstigen  Macht,  jetzt
den  Sitz  seines  einsamen  Alters,  sein  Schloß  zu  Braunschweig,  erweiterte
  er  und  schmückte  es  mannigfach  aus.))

Aber  eine  überaus  wohlthätige  Folge  seiner  Aussöhnung  mit
dem  Kaiser  konnte  Heinrich  der  Löwe  nur  mit  Freuden  begrüßen.
Seit  langen  Jahren  war  Sachsen  von  den  wildesten  inneren  Kämpfen
zerrissen  gewesen;  jetzt  endlich  schienen  Ruhe  und  Frieden  zurückzukehren,
  was  namentlich  nach  den  verwüstenden  Kämpfen  der  letzten
Jahre  für  das  Land  sehr  segensreich  war.  Nun  hatte  doch  die  fortwährende
  Verheerung  ein  Ende,  Ackerbau  und  Handel  lebten  neu
auf  und  die  Segnungen  des  Friedens  zeigten  sich  bald  im  reichsten
Maße.  "

Nur  ein  Punkt  war  es,  wo  noch  Unfriede  und  Zwietracht
herrschte,  Bremen.  Erzbischof  Hartwig  II.,  welcher  sich  einst
dem  aus  der  Verbannung  heimkehrenden  Heinrich  dem  Löwen  bereitwilligst
  angeschlossen,  dies  aber  mit  dem  Zorne  des  Kaisers  und  der
Vertreibung  aus  seinem  Sitze  hatte  büßen  müssen,  an  dessen  Stelle
man  dann  den  Dänen  Waldemar  erhoben  hatte,  glaubte  nach  seines
Gegners  plötzlichem  Sturze  und  nachdem  in  Sachsen  der  Friede
wiederhergestellt  war,  ohne  Weiteres  sein  Erzbisthum  wieder  in  Besitz
nehmen  zu  können.  Cölestin  III.  nahm  sich  seiner  an,  auch  von
anderer  Seite  wurde  er  dazu  ermuntert  und  kehrte  so  nach  Bremen
zurück.  Dort  aber  war  man  durch  seine  Rückkehr  höchst  unange-1)

  Arnold.  Lub.  IV,  20;  Dux  priae  in  Brunschwig,  residuum  vitae
autem  senior  variis  negotüs  deditus,  suae  tempus  quietus  exegit.
his  videlicet,  quse  ad  ornatum  domus  2)  Arnold.  Lub.  IV,  20.
Dei  pertinerent,  vel  etiam  aulee  pro-41094.

