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432  3.  Buch  9.  Kapitel.

nehm  überrascht,  und  er  fand  daher  keineswegs  die  Aufnahme,  welche
er  gehofft  hatte.  Auch  Graf  Adolf  von  Schauenburg,  der  ihm  im
Uebrigen  persönlich  geneigt  war,  erhob  gegen  seine  Rückkehr  Bedenken,
  weil  sie  ohne  Erlaubniß  des  Kaisers  erfolgt  sei;  ganz  entschieden
  aber  bestritt  er  Hartwig  das  Recht,  die  Einkünfte  für  sich
zu  erheben  und  zu  verwenden,  da  ja  er  selbst  sie  vom  Kaiser  empfangen
  habe.  Hartwig  antwortete  auf  diese  Einwendungen  mit
dem  Interdikt,  das  der  Graf  und  die  Seinen  für  ganz  ungerechtfertigt
  erklärten  und  gegen  das  sie  daher  Protest  erhoben.  Dennoch
untersagte  der  Erzbischof  in  der  ganzen  Diöcese  den  Gottesdienst
und  gab  denselben  erst,  als  in  Folge  einer  Seuche  die  Begräbnisse
nicht  ohne  die  größte  Gefahr  länger  aufgeschoben  werden  konnten,
wenigstens  für  die  Hauptkirche  der  Stadt  wieder  frei.  Ueberhaupt
erreichte  er  seinen  Zweck  nicht:  denn  die  Geistlichen  hingen  ihm
keineswegs  alle  an  und  viele  von  ihnen  beachteten  die  gegen  den
Grafen  Adolf  geschleuderte  Excommunication  gar  nicht,  sondern  ertheilten
  ihm  ruhig  das  Abendmahl.  Dieser  unerfreuliche  Zustand
inneren  Zwistes  dauerte  fort,  bis  Heinrich  VI.  siegreich  aus  Italien
heimkehrte.  Er  traf  eine  für  den  Erzbischof  Hartwig  eben  nicht
günstige  Entscheidung:  die  von  demselben  ausgesprochene  Excommunikation
  wurde  für  null  und  nichtig  erklärt,  er  mußte  dem  Kaiser
600  Mark  Buße  zahlen,  während  Adolf  von  Schauenburg  die  Grafschaft
  Stade  und  ein  Drittel  der  Bremer  Einkünfte  zu  Lehen
erhielt.)

Nur  aus  der  Ferne  und  ohne  irgend  wie  handelnd  einzugreifen,
nahm  Herzog  Heinrich  der  Löwe  an  diesen  Ereignissen  Theil.  Er
hatte  eben  mit  seiner  Laufbahn  abgeschlossen:  die  glänzende  Machtstellung,
  die  er  früher  innegehabt  hatte,  konnte  er  jetzt  doch  nicht
wieder  erwerben,  seine  einst  so  gewaltige  Kraft  war  gebrochen,  einer
jüngeren  wollte  er  es  überlassen,  sein  Haus  wieder  zu  Glanz  und
Ansehn  zu  bringen.  So  saß  der  greise  Held  denn  einsam  in  seiner

stillen  Burg  zu  Braunschweig.  Besorgten  Blickes  folgte  er  dem

Verlaufe  des  neuen  Zuges  Heinrichs  VI.  gegen  Apulien,  an  dem  sein
Sohn  Heinrich  der  früher  getroffenen  Verabredung  gemäß  theilnahm.
Der  Ausgang  desselben  war  ein  glücklicher:  der  Kaiser  gewann  die
sicilianische  Krone  und  kehrte  mit  Ehre  und  Ruhm  geschmückt  als
Sieger  heim.  Der  junge  Welfe  Heinrich  hatte  ihm  treu  gedient,

I)  Arnold.  Lub.  IV.  21.  22.