Heinrichs  des  Löwen  letzte  Tage.  433

sich  mannigfach  ausgezeichnet  und  die  Zuneigung  und  Gunst  des  ihm
erst  so  wenig  freundlich  gesinnten  Kaisers  gewonnen.  Schon  nach
Jahresfrist  kehrte  er  wohlbehalten  in  die  Arme  seines  Vaters  zurück.)
Dech  blieb  er  nicht  in  Braunschweig,  sondern  begab  sich  nach  seiner
Pfalzgrafschaft  an  den  Rhein.

Die  Beschäftigungen  Heinrichs  des  Löwen,  der  von  der  mit  dem
Greisenalter  zunehmenden  Schwäche  mehr  und  mehr  heimgesucht
wurde,  waren  durchaus  friedlicher  Art.  Namentlich  war  er  bemüht,
die  kirchlichen  Bauten,  die  er  zur  Zeit  seiner  höchsten  Machtentfaltung
  in  Braunschweig  selbst  begonnen  hatte,  jetzt  am.Abend  seines
Lebens  zu  Ende  zu  führen.  An  dem  St.  Blasiusdom,  den  er  nach
seiner  Rückkehr  aus  dem  heiligen  Lande  begonnen  hatte,  wurde  jetzt
weiter  gebaut.  Eifrig  sorgte  Heinrich  für  die  Ausschmückung  desselben
  mit  schönem  Tafelwerk  und  buntgemalten  Glasfenstern.  Auch
für  die  Beschaffung  der  heiligen  Geräthschaften  verwandte  er  große
Summen:  für  1500  Mark  ließ  er  ein  kunstreiches  goldenes,  reich
mit  Edelsteinen  verziertes  Crucifix  anfertigen.)  Gleiche  Sorgfalt
wandte  er  den  beim  Gottesdienst  zu  gebrauchenden  Gewändern  zu,
die  er  aus  den  kostbarsten  Stoffen  unter  seiner  eigenen  Aufsicht  verfertigen
  ließ.  Aber  auch  für  die  geistigen  Interessen  blieb  der  greise
Heinrich  nicht  unthätig:  wie  in  den  Zeiten  seines  Glanzes  Dichter
und  Sänger  an  seinem  Hofe  eine  freundliche  Aufnahme  gefunden
hatten,  so  war  es  jetzt  namentlich  die  Vergangenheit,  vielleicht  wohl
seine  eigene,  die  ihn  besonders  anzog.  Den  Geistlichen  seines  Hofes
gab  er  den  Auftrag,  die  alten  Chroniken  zu  sammeln  und  abzuschreiben,
  ließ  sich  von  ihnen  daraus  vorlesen,  und  manche  schlaflose
Nacht  hat  er  so  verbracht.)

So  sehr  Heinrich  sich  nun  auch  von  den  weltlichen  Geschäften
zurückzog,  so  wurde  er  doch  immer  wieder  genöthigt,  sich  derselben
wenigstens  ab  und  zu  anzunehmen.  Denn  obgleich  ihm  der  Besitz
der  geringen  Reste  seiner  ehemaligen  gewaltigen  Macht,  die  ihm

1)  Ann.  Stederburg.  p.  230:  Porro
idem  nobilissimus  princeps  eventum
filii  sui,  quem  imperialibus  obligaverat
  obsequiis,  anzius  exspectabat,
quem  tamen  infra  ipsum,  quo  abierat,
annum,  rebus  in  Apulia  bene  gestis
sanum  et  incolumem  recepit.

)  Ann.  Stederb.  1.  c.  Ueber  die
TZusschmöckun  des  Braunsschweiper
Doomes  dgl.  bie  schon  angeführte  Ab

Prut,  Heinrich  der  Löwe.

handlung  von  Dr.  L.  Bethmann,
die  Gründung  Braunschweigs  und  der
Dom  Heinrichs  des  Löwen  in  „Westermanns
  Illustrirte  Monatshefte“  Nr.  59
(Auzuß  1861).

)  ibid.  —  antiqua  soripta  colligi
Praccepit  et  consecribi  et  coram  recitari,
  et  in  hac  ocoupatione  saepe  totam
noctem  duxit  insomnem.

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