434  3.  Buch.  9.  Kapitel.

noch  geblieben  waren,  vom  Kaiser  selbst  garantiert  war,  so  fehlte
es  doch  nicht  an  mannigfachen  Versuchen  seiner  Gegner,  ihn  noch
mehr  einzuschränken  und  ihm  noch  mehr  zu  entziehen.  Heinrich  gebrauchte
  jetzt,  wie  es  scheint,  nicht  mehr  Gewalt  gegen  Gewalt,  vielmehr
  wandte  er  sich  mit  seinen  Beschwerden  an  den  Kaiser:  dieser
aber  scheint  es  an  einer  wirklich  energischen  Abhülfe  haben  fehlen
zu  lassen.)  Ueberhaupt  war  das  Mißtrauen,  das  Heinrich  VI.  gegen
den  greisen  Welfen  hegte,  noch  immer  nicht  wirklich  besiegt,  und
noch  immer  glaubte  er,  vor  einem  neuen  Wiederherstellungsversuche
desselben  auf  seiner  Hut  sein  zu  müssen.  In  wolge  dessen  hielt  er
den  ihm  als  Geisel  übergebenen  Sohn  Heinrichs  des  Löwen,  Wilhelm,
  noch  immer  fest:  er  hatte  ihn  dem  Herzog  Leopold  von  Oesterreich
  übergeben.  Dieser  sandte,  als  er,  durch  einen  Sturz  mit  dem
Pferde  schwer  verletzt,  sein  Ende  herannahen  fühlte,  den  Jüngling
an  den  König  Bela  von  Ungarn,  damit  er  denselben  zu  seinem
Vater  zurückgeleiten  ließe.  Heinrich  VI.  aber,  der  noch  immer  ein
Unterpfand  für  die  Treue  des  greisen  Welfen  haben  zu  müssen
glaubte,  erhob  dagegen  Einsprache  und  der  Jüngling  mußte  noch
länger  in  Haft  bleiben.  Bald  aber  nahete  der  Augenblick,  der  den
Kaiser  von  der  letzten  Furcht  befreien  sollte.

1185.  Unter  den  lieb  gewordenen  friedlichen  Beschäftigungen  hatte  der
greise  Heinrich  den  Winter  verbracht.  Mit  frommem  Eifer  gab  er
sich  in  der  Fastenzeit  des  Jahres  1195  kirchlichen  Uebungen  hin  und
spendete  den  Armen  reiche  Almosen.  In  der  Nacht  vor  dem  hei-11.

  April.  ligen  Osterfest  aber,  den  1.  April,  trat  in  seinem  so  schon  schwachen
und  Besorgniß  erregenden  Zustand  eine  plötzliche  Verschlimmerung
ein.  Seine  Kräfte  nahmen  zusehends  ab,  die  Schmerzen  verließen
ihn  keinen  Augenblick.  Doch  zog  sich  das  Leiden  ohne  Entscheidung
noch  bis  zum  Sommer  hin,  während  welcher  Zeit  er  mit  immer
gleichem  Eifer  seinen  frommen  Werken  oblag.  Mit  dem  Eintritt
der  heißen  Jahreszeit  aber  nahm  die  Krankheit  eine  bedenklichere
Wendung.  Doch  litt  Heinrich  keine  Arznei;  überhaupt  bewahrte  er
sich  auch  in  dieser  seiner  letzten  Krankheit  den  so  oft  bewiesenen

21.  Jull.  starken  und  festen  Muth.  Es  war  am  24.  Juli,  als  bei  einem  heftigen
  Gewitter,  das  sich  über  Braunschweig  entlud,  ein  Blitz  in  das

1)  Ann.  Stederburg.  Il.  c.  In-  bita  laesione  debebant  eximero,  et  eos,

terim  dominus  imperator  ducem  in-  gui  indebite  ipsi  rebelles  erant,  suae
anibus  promissionibus  susbensum  tenet  gruciae  reforare.  Sod  in  his  actiooiet

  frequenter  mittit  nuncios  suos  ad  bus  multum  temporis  frustra  expenipsum,
  qui  se  et  flium  suum  ab  inde-  ditur.