Heinrichs  des  Löwen  letzte  Tage.  435

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der  Burg  benachbarte  Kloster  schlug  und  das  Dach  desselben  in
Flammen  setzte.  Groß  war  der  Schreck  der  am  Lager  des  Herzogs
Versammelten,  in  wirrem,  ängstlichem  Durcheinander  dachte  man  ihn
zu  retten.  Bloß  er  selbst  behielt  seine  Ruhe  und  Geistesgegenwart:
und  nicht  lange  danach  löschte  ein  vom  Himmel  niederstürzender  gewaltiger
  Regen  das  Feuer  ohne  menschliche  Hülfe.

Obgleich  aber  so  sein  Geist  noch  ungeschwächt  war,  so  fühlte
Herzog  Heinrich  doch  selbst,  daß  seine  körperlichen  Kräfte  von  Stunde
zu  Stunde  abnahmen  und  daß  seine  letzte  Stunde  herannahe.  Er
schickte  deshalb  einen  Boten  an  seinen  Sohn  Heinrich,  der  in  der
Rheinpfalz  weilte,  um  ihn  wenigstens  in  dem  letzten  Augenblicke  bei
sich  zu  haben.  Auch  den  Bischof  Isfried  von  Ratzeburg,  der  in  den
letzten  Jahren  bei  ihm  die  Stelle  eines  Beichtvaters  gehabt  hatte,
bat  er  zu  ihm  zu  kommen.  Ihm  legte  er  jetzt  auch  seine  letzte
Beichte  ab  und  empfing  am  2.  August  die  Absolution  und  die  2.  uug.
Sterbesacramente.  Vier  Tage  aber  dauerte  es  noch,  ehe  ihn  der
Tod  von  seinen  Leiden  befreite;  doch  trug  er  dieselben  geduldig,  und
kein  Wort  der  Klage  kam  über  seine  Lippen.  Umgeben  von  den
Seinigen,  namentlich  den  ihm  in  den  letzten  Jahren  seines  Lebens
so  nahe  stehenden  Geistlichen,  hauchte  er  am  6.  August,  einem  e.  ung.
Sonntag,  mit  den  Worten  „Gott  sei  mir  Sünder  gnädig!“  seinen
starken  Geist  aus.)

Allgemein  war  die  Trauer  der  Seinen.  Unter  Thränen  und
Klagen  geleiteten  sie  die  irdischen  Reste  des  gewaltigen  Mannes  in
den  von  ihm  gegründeten  St.  Blasiusdom.  In  dem  Grabmale,  das
er  sich  selbst  bereitet  hatte,  wurde  er  dort  beigesetzt,  zur  Rechten
seiner  ihm  vorausgegangenen  Gemahlin  Mathilde.  Dort  im  Schiffe
des  Domes  sieht  man  noch  heute  das  fürstliche  Grabmal.  Die
Steinbilder,  die  dasselbe  zieren  und  vermuthlich  gleichzeitig,  möglicherweise
  sogar  noch  bei  Lebzeiten  des  Herzogs  gemacht  sind,  stellen
Heinrich  den  Löwen  namentlich  in  Rücksicht  auf  seine  friedliche  Thätigkeit,
  vor  allem  als  Gründer  des  St.  Blasiusdomes  selbst  dar:
auf  der  Rechten  trägt  er  ein  Abbild  der  von  ihm  erbauten  Kirche,
während  seine  Linke  das  Schwert  hält  als  Sinnbild  der  weltlichen
Macht,  die  in  seine  Hand  gegeben  war.  —

Eine  große  und  gewaltige  Zeit  war  es,  in  die  Heinrichs  des
Löwen  Leben  gefallen,  —  eine  Epoche  glänzender  Machtentfaltung

1)  Ann.  Stederburg.  p.  231.
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