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Die  Ann.  Marbao.  find  aber  erst  um  die  Mitte  des  13.  Jahrhunderts  verfaßt.
  —  Wie  wenig  sicher  das  Factum  aber  war  und  wie  beliebig  man  daher  je
nach  dem  Parteiinteresse  damit  umspringen  zu  können  glaubte,  das  beweist  am
deutlichsten  die  Fassung  des  Berichts,  wie  ihn  der  ganz  aus  dem  Cbron.  Urspergense
  schöpfende  Burobardus,  Vita  Friderici  (ed.  Christmanv)  p.  76  giebt:

„In  hao  (sc.  Alexandriae)  obsidione  imperator  non  profecit;  nam  dux  Henricus
  de  Sazonia  nepos  suus  ab  eo  perflde  recessit,  sumpta  occasione  de  ex-Ccommunicatione
  et  forte  acoepta  peounia,  quem,  ut  referunt  homines,
secutus  est  imperator  et  ad  ipsum  veniens  supor  laoom  Cumanum  cum  magna
humilitate  postulavit,  ut  se  non  desereret,  ita  ut  vide  retur  pro  tali  petitione
ad  pedes  eins  se  velle  demittore,  quod  dur  diseorote  reousavit.
Quidam  autem  ipsius  duecis  oflloinlis  (Jordenus  nomine)  narratur  superbe
dizisse:  Sinite,  domine,  ut  oorona  imherialis  vobis  veniat  ad  pedes,  quia  veniet
et  ad  caput.“  »

So  viel  nun  leuchtet  nach  diesem  einfachen  Ueberblick  dessen,  was  überliefert
ist,  ein,  daß  die  Darstellung  der  Zusammenkunft  bei  den  Neueren
nichts  ist  als  eine  willkürliche  Combination  aus  den  verschiedenen
  Angaben  ganz  heterogener  Quellen.

Ganz  abgesehen  zunächst  davon,  daß  als  Veranlassung  des  von  Friedrich

an  Heinrich  gerichteten  Hülfsgesuchs  neben  der  richtigen  Belagerung  Alessandrias
unrichtig  auch  die  Mailands  und  Cremonas  genannt  wird,  —  was  offenbar  nur
auf  einer  Verwechselung  beruht,  —  so  finden  wir  zwischen  den  Quellenangaben  doch
gleich  von  vornherein  einen  sehr  wesentlichen  Differenzpunkt:  denn  während
Heinrich  nach  den  einen  mit  vor  Alessandria  ist  und  eben  sein  Abzug  den  Anlaß
zu  der  Zusammenkunft  giebt  (Chron.  Repgov.,  Braunschw.  Reimchr.,  Hermann.
Lerboke,  Burcharcd),  stellen  die  übrigen  den  Verlauf  so  dar,  daß  Heinrich  gar
nicht  mit  in  Italien  anwesend  ist.  Diesen  Zweifel  zu  lösen,  ist  nicht  bloß  für
die  Bestimmung  des  Orts  und  der  Zeit  der  Unterrebung  von  größter  Wichtigkeit,
  sondern  auch  für  die  Auffassung  des  ganzen  Verhältnisses  zwischen  dem
Kaiser  und  dem  Herzoge.

Ohne  Zweifel  aber  ist  Heinrich  nicht  mit  nach  Italien  gezogen.  Böttiger,

H.  d.  L.  p.  314  hat  dies  aus  verschiedenen  inneren  Gründen  schon  wahrscheinlich

gemacht.  Entscheidend  ist  es,  daß  wir  nach  Reg.  n.  149  und  u.  150  Heinrich
noch  am  17.  und  20.  September  1174  in  Baiern  finden,  zu  einer  Zeit  also,  wo
Friedrich  schon  längst  nach  Italien  aufgebrochen  war:  denn  schon  am  28.  September
  1174  verbrennt  derselbe  ja  Susa.  Eine  undatirte  Urkunde  aus  demselben
Jahre  1174  (Reg.  u.  151)  zeigt  uns  Heinrich  in  Artlenburg  und  ist  wohl  in
Rückstcht  auf  das  übrige  Itinerar  gegen  Ende  dieses  Jahres  zu  setzen.  1175  finden
  wir  Heinrich  dann  urkundlich  in  Braunschweig  (Reg.  n.  152j,  und  schon  zu
Anfang  dieses  Jahres  ist  er  in  Sachsen  kriegerisch  thätig,  zu  einer  Zeit  also,  wo
Friedrich  I.  noch  vor  Alessandria  lag.  Bei  dieser  Belagerung  also  kann  Friedrich
  I.  nicht  von  Heinrich  unterstützt  worden  sein  und  fallen  demnach  die  dahin
lautenden  Quellenangaben  als  unrichtig  fort.

Den  Kampf  gegen  Alessandria  führte  Friedrich  also  ohne  Heinrichs  des  L5-wen
  Hülse.  Erst  nach  dem  Scheitern  der  mit  den  Lombarden  angeknüpften  Friedeusunterhandlungen
  sandte  der  Kaiser  um  Hülfe  nach  Deutschland.  Heinrich
weigert  sich,  dieser  Aufforderung  Folge  zu  leisten  und  der  Kaiser  muß  daher  längere
  Unterhandlungen  mit  ihm  anknüpfen.  Als  diese  vergeblich  bleiben  und  die