Ercurs  II.  449

Zeit  immer  mehr  drängt,  veruucht  der  Kaiser  den  Herzog  durch  eine  perssnliche
Zusammenkunft  umzustimme

Als  Ort  derselben  nennen  nun  Otto  Sanblas.  und  noareherd.  den  Comersee
  und  Chiavenna.  Nun  ist  es  aber  nach  dem  ganzen  Zusammenhange  und
Verlaufe  dieser  Dinge  unwahrscheinlich,  daß  Heinrich  fast  bis  auf  den  Schauplatz
des  Krieges,  an  dem  Theil  zu  nehmen  er  sich  so  entschieden  weigerte,  gekommen
sein  soll.  Noch  dazu  sagt  Arnold.  Lub.  ausdbrücklich,  der  Kaiser  sei  Über
die  Alpen  nach  Deutschland  gekommen,  und  dort,  intra  fines  Germaniae,
  habe  die  Unterredung  stattgefunden.  Beides  foricht  dafür,  den  Ort
der  Zusammenkunft  nicht  in  Italien,  sondern  in  Deutschland,  im  süolichen  Baiern
zu  suchen.  Auch  nennt  das  Chron.  Mont.  Soreni  ganz  ausbrücklich  einen  solchen,
u-r  Partenkirchen.  4

Die  Zeit,  in  welche  die  Unterredung  fallen  muß,  wird  umgrenzt  einerseits
durch  das  Abbrechen  der  am  15.  April  1175  mit  den  Lombarden  begonnenen
Friedensverhandlungen,  andererseits  durch  das  Eintreffen  der  deutschen  Hülfstruppen
  in  Italien,  welches  im  Frühjahre  1176  erfolgte.  Da  vorher  zwischen
dem  Kaiser  und  Heinrich  schon  längere  Zeit  Unterhandlungen  durch  Gesandte  und
Briese  geführt  waren,  so  werden  wir  den  Zeitpunkt  der  Unterredung  näher  an
der  zuletzt  genannten  Grenze  zu  suchen  haben.  Und  gerade  in  dieser  Zeit,  zu
Anfang  des  Jahres  1176,  finden  wir  Heinrich  den  Löwen  im  südlichen  Baiern.

In  dem  Codex  traditionum  Reicherspergensium  (NMon.  Boica
III,  p.  456  fl.)  findet  sich  der  für  die  von  uns  gesuchte  Zeitbestimmung  höchst  wichtige
  Bericht  über  einen  Streit  des  Reichersberger  Klosters  mit  einem  baierischen
Edlen,  Heinrich  von  Stein.  Im  Jahre  1161  war  zwischen  dem  Kioster  und
einem  Verwandten  dieses  Heinrich  ein  Gütertausch  vollzogen  worden,  natürlich
ganz  zu  Gunsten  des  ersteren.  Dreizehn  Jahre  lang,  also,  bis  1174,  befand  sich
das  Kloster  im  ungestörten  Besitze  der  fraglichen  Güter.  Da  auf  einmal  erklärt
Heinrich  von  Stein,  der  Tausch  sei  ohne  seine  Zustimmung  geschlossen,  also  ungültig,
  und  verlangt  Herausgabe  der  Güter.  Als  diese  aber  verweigert  wird,
beginnt  er  die  Reichersberger  Mönche  mit  gewaffneter  Hand  zu  beunruhigen.
Vergeblich  bitten  diese  Heinrich  den  Löwen  1174  bei  seiner  Anwesenheit  in  Baiern
um  Hülfe:  von  dringenden  Geschäften  in  Anspruch  genommen,  kehrt  dieser  schleunigst
  nach  Sachsen  zurück.  Die  drei  Edlen,  denen  er  die  Entscheidung  des  Streites
  ausgetragen,  sind  außer  Stande,  den  Frieden  herzuftellen.  Dann  heißt  es
weiter:  „Anno  autem  secundo  cum  diu  exspectatus  ante  quadrugesimam
  dux  rediissot  in  Bawariem,  Drepositus  domnus  Pbilippus  occurrit
illi  in  Pourchusen  in  dominioa  II.  qundragesime  et  honorifice  ab
eo  susceptus,  dum  eausam  adventus  sui  ipsi  aperuisset  ipse  dux  multis
oecupatus  distulit  eum  audiendum  Ranshoven.  Ubi  cum  post
VII  dies  exepectatus  advenisset,  iterum  de  causa  sun  a  preposito  interpellatus
  ost.

Danach  also  kommt  Heinrich  der  Löwe  1176  onto  quadrogesimam,  d.  h.  vor
dem  21.  Februar  nach  Baiern,  ist  in  dominiea  secunda  quadugesime,  b.  i.  den
28.  Februar,  in  Burghausen  und  weist  den  Reichersberger  Propst  mit  seinem
Gesuche  wegen  vieler  drängender  Geschäfte  einstweilen  ab.  Nach  acht  Tagen  schon
find  diese  vielen  Geschäfte  abgemacht,  Heinrich  kommt  nach  Ranshofen  am  7.  März,
hält  dort  Gericht  und  geht  dann  nach  Sachsen  zurück.

Wir  sehen  also,  daß  der  Herzog  Ende  Februar  1176  nach  Baiern  kommt,
Anfang  März  wieder  nach  Sachsen  beimkehrt:  in  der  Zwischenzeit  verschwindet

Pruy,  Heimich  der  Löwe.  29

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