Heiligenstadt.  Posen.  43

dieser  Kirche  auf  keine  Weise  mehr  etwas  im  Wege  zu  stehen,  so  wie  es
such  allhier  niemand  einfällt,  an  die  Zurtickgabe  derselben  weiter  zu  denken.

E.K.M.  wage  ich  dahero  ....  zu  bitten:

gedachte  Kirche  nunmehro  zum  Gottes-Dienst  ftir  das  hiesige  Militair
huldreichst  bestimmen  und  zu  diesem  Behuf  durch  den  Bischof
übergeben  lassen  zu  wollen.

Aus  den  ...  hier  angebogenen  Auszug  zweyer  Stellen  aus’  einem
historisch-Chronologischen  Werke  des  pp.  Regenwolcius!)  wollen  E.K.M.
hiernächst  ...  zu  entnehmen  geruhen,  auf  welcher  unerlaubten  Weise  die
Katholischen  Glaubensgenossen  diese  Kirche  ehemahls  an  sich  gerissen,
und  dass  sie  mithin,  der  Entstehung  nach,  kein  gegründetes  Eigenthumsrecht
an  derselben  haben.

Die  Unmöglichkeit,  worin  ich  mich  gegenwärtig  befinde,  die  Garnison
zum  Gottesdienst  anzuhalten,  und  die  nachteilige  Folgen,  welche  dadurch
nothwendig  für  die  Moralität  entstehen  miissen,  veranlassen  mich  E.  K.M.
diese  meine  ....  Bitte  wiederholentlich  zu  Füssen  zu  legen,  wozu  noch  kommt,
dass,  wenn  diese  Kirche  keiner  Gemeinde  zugetheilt  und  nicht  im  Baulichen
Stande  erhalten  wird,  sie  in  kurzen  —  da  das  Dach  schon  sehr  schadhaft
zu  werden  anfängt  —  so  zu  Grunde  gehen  muss,  dass  späterhin  eine  sehr
kostspielige  Reparatur  erforderlich  werden  dürfte.  «

»Einige  Stellen  aus  dem  Historisch-Chronologischen  Systenı  der  Slavischen
Kirchen  in  verschiedenen  Provinzen,  vorzüglich  in  Polen,  Böhmen,  Litthauen,
Russland,  Preussen,  Mähren  pp.  von  Regenvolscius,  Utrecht  1652.2)

Die  Böhmischen  Evangelischen  Glaubensgenossen  hatten  zu  Posen  zwei
Kirchen,  eine  Polnische  und  eine  Deutsche,  nebst  zwei  andern  Häusern  und
daran  stossenden  Gärten,  welche  in  dem  von  dem  Grafen  von  Ostorow  (einem
Polnischen  Magnaten  und  grossen  Gönner  der  Evangelischen,  der  den  28ten  Mai
1568  gestorben  war)  ererbten  Gehöft  in  der  Vorstadt  von  Posen  vor  dem
Wronker  Thor,  wo  man  zur  Kirche  des  heiligen  Albertus  geht,  gelegen  waren.
Diesen  Häusern  sowohl  als  den  beiden  dabei  liegenden  Kirchen  wurde  vom
König  von  Polen  Sigismund  II.  zu  Petricau  im  Jahr  1564  Freiheit  und  Unabhängigkeit
  zugesichert.  Auch  hatte  ein  gewisser  Johann  Crotosei  zu  diesen
Hänsern  noch  ein  benachbartes  Haus  von  Andreas  Schilling,  einem  Evangelischen
  Bürger  und  Kaufmann  zu  Posen,  welcher  sich  um  seine  Glaubensgenossen
sehr  verdient  gemacht  hatte,  hinzugekauft,  welches  der  König  von  Polen

1!  Andreas  Wengierski  :  Wengerscius),  protestantischer  Theologe,  1600-1649.
schrieb  das  unten  angeflihrte  Werk  unter  dem  Namen  Adrianus  Regenvolscius.

2;  Systema  historico-chronologicum  Ecclesiarum  Slavonicarum  per  Provincias
varias,  praecipu&amp;  Poloniae,  Bohemiae.  Lituaniae,  Russiae,  Prussiae,  Morsvine  etc.
distinetaram.  Libris  IV.  adornatum;;  continens  historicam  ecclesiasticam  a  Christi
et  Apostolorum  tempore  ad  An.  Dom.  1650.  Opera  Adriani  Regenvolscii  E.  P.
Trajecti  ad  Rhenum,  Ex  Officina  Johannis  a  Waesberge,  Bibliopolae.  Anno  1652.

1803
Sept.  3