1803
Sept.  3

44  Urkunden  No.  640641.

Stephan  den  20ten  November  1576  zu  'Thorn  mit  Freiheit  und  Vorrechten
versah,  und  welches  den  Böhmischen  Confessions-Verwandten  zum  gottesdienstlichen
  Gebrauch  tlbergeben  wurde.  Ferner  schenkte  noch  Johann
(jajewski  aus  Blociszewo,  Landrichter  zu  Posen,  den  Böhmischen  Evangelischen
  Glaubensgenossen  ein  in  derselben  Vorstadt  liegendes,  von  den  Erben
des  Johann  Suidas  erkauftes  und  vom  König  von  Polen  Stephan  anf  dem
Reichstage  zu  Warschau  im  Jahr  1582  den  18ten  November  mit  Freiheiten
und  Privilegien  verschenes  Haus.  Aber  alle  diese  Privilegien  und  Dokumente
  verhinderten  nicht  die  offenbaren  feindseligen  Angriffe  auf  diese
Häuser  und  die  Evangelischen  Kirchen.  Ihre  völlige  Zerstörung  erfolgte  den
3ten  August  1616.  Doch  selbst  in  den  Ruinen  der  Kirchen  hielten  dit
Evangelischen  noch  oft,  und  heftig  beunruhigt,  ihren  Gottesdienst,  bis  sie
endlich  durch  die  äusserste  Gewalt  und  durch  die  nachdrücklichsten  Interdikte
  völlig  daran  verhindert  wurden.  Im  Jahr  1617  am  Sonntage  Sexagesimae
  wurde  innerhalb  der  zerstörten  Mauern  der  Kirche  der  letzte  öffentliche
  Gottesdienst  gehalten.  Von  dieser  Zeit  an  hörte  derselbe  aber  auf.
und  der  Grund  und  Boden  fiel  nachher  den  Mönchen  anheim.«

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»Im  Jahr  1605  erregte  der  Jesuit  Piasecio  in  seinen  Predigten  in  Jer
Jesuiter-Pfarr-Kirche  das  Volk  mit  der  grössten  Heftigkeit,  die  Evangelischen
Kirchen  in  der  St.  Alberts-Vorstadt  zu  zerstören.  Er  bediente  sich  dabei
dieser  Ausdrücke:  ‘Der  Magistrat  will  es  nicht,  die  Väter  der  Stadt  wollen
es  nicht,  ihr  aus  dem  Volk  also,  verwandelt  die  Kirchen  der  Ketzer  in
Rauch  und  Asche’.  Diese  Anregungen  waren  auch  nicht  fruchtlos,  und
schon  in  demselben  Jahre  den  i1ten  und  12ten  December  machte  man  einen
Versuch,  die  beiden.  Kirchen  der  Böhmisch-Evangelischen  Glaubensgenossen
zu  zerstören.

Diese  Zerstörung  erfolgte  nun  wirklich  den  3ten  August  1616.  Ein
von  Jesuiter-Schitlern  angeführter  Volkshaufe,  der  bis  auf  einige  Hundert
heran  gewachsen  war,  riss  die  beiden,  dem  Gottesdienst  der  Böhmisch-Evangelischen
  gewidmeten  Kirchen  um  10  Uhr  in  der  Nacht  mit  Hacken.
Beilen  und  andern  Werkzeugen  nieder.  Der  Evangelische  Gottesdienst
unterblieb  von  der  Zeit  an,  und  der  Grund  und  Boden  ward  einem  Kloster
überlassen.  «

Rand-Verfügung,  geschrieben  von  Beyme:
.  »Es  ist  dem  Ref.  unter  abschriftlicher  Mittheilung  der  unterm
15.  Juny  an.  p.  v.  Voss  ergangenen  Resolution!)  bekannt  zu  machen,  das:
$.  M.  dadurch  seinen  Antrage  schon  zuvor  gekommen  wären.  «

Hiernach  Cabinets-Ordre  an  Zastrow,  Paretz  1803  September  13.
R.  89.  Minüten  des  Cubinete,

1;  Cir.  No.  608.