1804
Jan.  19

cembe

90  Urkunde  No.  674.

674.  Immediat-Bericht  des  Staats-Ministers  v.  Angern.  Berlin  1804
Januar  19.
R.  59.  32.  K.  Ausfertigung.

Einrichtung  des  Minoriten-Klosters  zu  Münster  zur  Kaserne.  Versetzung  der  Min
rien  in  das  dortige  Dominikaner-Kloster,  der  Dominikaner  in  das  rakante  Nonnen-Kloster
  Ringen.

Kasernen-Mangel  in  Münster  für  die  4  Infanterie-Bataillone;  Quartiere

sehr  theuer;  die  Lage  des  Klosters  und  seine  Gebäude  sind  sehr  geeignet:
.  »Von  allen  diesen  Seiten  empfiehlt  sich  daher  dieser  Plan  von

selbst  schon  als  sehr  vortheilhaft  und  zweckmässig,  die  Vortheile  müssen
aber  auch  so  tiberwiegend  sein,  um  die  Schwierigkeiten  zu  beseitigen,  welche
durch  Versetzung  der  Kloster-Geistlichen  aus  zwei  verschiedenen  Klöstern
unleugbar  entstehen.  E.  K.  M.  sind  damit  schon  durch  die  Immediat-Vorstellungen
  der  Minoriten-  und  Dominicaner-Klöster  vom  18.  Juny,  5.  October
und  9.  November  v.J.  ...!)  bekannt  gemacht  worden.  Der  diesfalls  ...
erforderte  Bericht  darüber  hat  jedoch  ...  erst  nach  völlig  untersuchter
Sache  auf  den  jezzigen  Bericht  wegen  der  Casernen-Anlage  selbst  der  genauen
  Verbindung  halber  ausgesezt  bleiben  müssen.  Die  deshalb  nunmehr
genau  angestellten  Recherchen  haben  gegenwärtig  ergeben:  dass  das  schon
im  Jahre  1270  in  Mtinster  von  dem  dortigen  Bischof  Gerhard  von  Marca
gestiftete  Kloster  der  Franeiscaner  minoris  ordinis  oder  der  Minoriten  aus
62  Personen  bestehet,  wovon  aber  nur  44,  theils  Patres,  theils  Laienbrüder,
theils  Studierende  im  Kloster,  die  tibrigen  aber  auswärts  und  nur  demselben
affilürt  sind,  dass  heisst,  weil  sie  auf  dies  Kloster  Profess  gethan,  nachher,
wenn  sie  alt  und  schwach  werden  in  dasselbe  zurük  treten  können.  Die
Minoriten  gehören  zu  den  Mendikanten;  doch  dürfen  sie  dasjenige  als  Eigenthum
  besitzen,  was  sie  sich  durch  Seelmessen,  Schulunterricht,  Seelsorge
und  durch  Terminiren  erwerben.  Dadurch  hat  dies  Kloster  ein  Vermögen
von  1816  Rthir.  jährlicher  Revenüen  erlangt,  wovon  aber  nach  Abzug  der
Lasten  und  Abgaben  nur  819  Rthir.  übrig  bleiben,  wodurch  und  mit  dem,
was  durch  Stationiren  (Hülfe  bei  der  Pfarrseelsorge)  und  Terminiren  (Collectiren
  von  Naturalien)  erworben  und  welches  jährlich  auf  179  Rthir.  angeschlagen
  wird,  ungefähr  1600  Rthir.  herauskommen,  wovon  das  ganze
Kloster  in  Essen,  Trinken  und  Kleidung  erhalten  werden  muss,  da  alle
übrigen  Bedürfnisse  sich  jeder  Kloster-Geistliche  durch  Messe  lesen,  Unterricht
  oder  sonstigen  Erwerb  anzuschaffen  gehalten  ist.  Wahrscheinlich  ist
es  dieser  Umstand,  der  die  Minoriten  vor  vielen  andern  Kloster-Geistlichen
dadurch  auszeichnet,  dass  sie  sich  mit  Seelsorge,  Schul-Unterricht  und  mit
Wissenschaften  vorzüglich  abgeben,  weshalb  sie  sich  durch  eigene  Bildung
ınd  gelehrte  Kenntnisse  von  den  tibrigen  Mendikanten-Klöstern  distinguiren.
‘es  hat  ihnen  eine  vorzügliche  Achtung,  besonders  bei  dem  gebildeten

1)  Liegen  nich  t  vor.