Münster.  91

Theil  der  Catholicken  in  Münster  verschaft  und  deshalb  ist  es  auch  sehr
rathsam,  sie  vorzüglich  schonend  zu  behandeln  und,  da  sie  wegen  des  Plans
zur  Casernen-Anlage  in  Münster  ihr  eigenes  Kloster  verlassen  müssen,  ihnen
das  Dominicaner-Kloster  nebst  dessen  schöner,  im  neuen  Geschmack  gebaueten
  Kirche  beizulegen,  zumahl  sie  in  dem  Kloster  Ringen,  das  nur
39  Zellen  hat,  nicht  Plaz  genug  finden  würden,  dagegen  sie  im  Dominicaner-Kloster,
  das  51  Wohnungen  hat,  recht  gut  untergebracht  werden
können.  '

Wenn  die  Minoriten  in  ihrer  ersten  Immediat-Vorstellung  vom  18.  Juny
pr.  E.K.  M.  gebeten  haben,  dass  sie  nicht  in  die  ehemalige  Jesuiten-Residenz,
  das  Haus  Geist  im  Amte  Stromberg,  auf  das  Land  versezt,  sondern
lieber  pensionirt  werden  mögten,  so  fällt  ersteres  von  selbst  weg,  indem
die  Anfangs  gehegte  Idee  nicht  ausführbar  befunden  worden;  das  Pensioniren
  derselben  aber  ist  auch  nicht  thunlich,  weil  zu  wenig  Vermögen  dazu
vorhanden  ist,  und  es  bleibt  daher  nichts  tibrig,  als  die  Minoriten  zusammen
zu  lassen  und,  wenn  sich  in  der  Folge  ergiebt,  dass  sie  Behufs  der  Seelsorge
  und  des  Volks-Unterrichts  entbehrt  werden  können,  sie  nach  den  in
Ansehung  der  Mendikanten-Klöster  überhaupt  angenommenen  Grundsätzen
aussterben  zu  lassen  und  die  vorhandenen  successive  mit  Pfarr-  und  Schul-Stellen,
  zu  welchen  beiden  sie  sich  recht  gut  schicken,  zu  versorgen.

In  der  zweiten  Vorstellung  vom  9.  November  pr.  bitten  sie,  ihnen  ihr
Kloster  zu  lassen,  vornehmlich  wegen  ihrer  schönen  Kirche,  die  zugleich
Pfarr-Kirche  und  von  dem  Publico  sehr  geachtet  und  benuzt  werde,  wobei
sie,  statt  ihre  Gebäude  zur  Caserne  zu  nehmen,  die  Gebäude  des  Aegidii
Nonnen-Klosters  vorschlagen,  wodurch  die  Einrichtungskosten,  die  allein  bei
den  ihnen  zu  überlassenden  Dominicaner-Gebäude  9000  Rthir.  betragen
sollten,  erspart  werden  könnten.  Bei  genauer  Untersuchung  hat  sich  aber
ergeben,  dass  dieser  Vorschlag  gar  nicht  ausführbar  ist,  weil  die  Gebäude
vom  8t.  Aegidii-Kloster  nicht  den  6ten  Theil  des  Raums  vom  Minoriten-Kloster
  gewähren,  die  erste  Etage  wegen  der  feuchten,  dumpfigen,  salpeterhaltigen
  Beschaffenheit  zu  Casernen-Wohnungen  nicht  zu  brauchen  ist,  die
Neben-Wohnungen  nicht  disponible  sind,  und  die  Kirche  als  eine  Haupt-Pfarr-Kirche
  ohne  Stöhrung  des  Gottesdienstes  nicht  zur  Garnison-Kirche
genommen  werden  kann,  wie  denn  auch  bei  den  Kloster-F'rauen,  besonders
eines  geschlossenen  Klosters,  ungleich  grössere  Schwierigkeiten  bei  der  Versetzung
  obwalten,  und  sie  keinesweges  damit  zufrieden  sein  würden;  dagegen
die  Minoriten,  wenn  in  obiger  Art  ihnen  das  Dominicaner-Kloster  und  dessen
Kirche  eingeräumt  und  eingerichtet  wird,  eher  dabei  gewinnen  ala  verliehren.
Dies  Leztere  auf  öffentliche  Kosten  zu  thun,  ist  der  Billigkeit  gemäss;
Alle  diese  Kosten  sind  jedoch  mit  9000  Rthlr.  übertrieben  hoch  angegeben
und  werden  unten  näher  vorgeschlagen  werden.

Was  aber  die  Dominicaner  in  der  Immediat-Vorstellung  vom  5.  October
pr.  gegen  ihre  Versetzung  in  das  Kloster  Ringen  angeführt  haben,  steht

1804
Jan.  19