Suprasl.  Schlesien.  Klosteranfhebung.  111

I.  Die  Kenntnis,  die  ich  von  der  Provinz,  von  den  Gesinnungen  ihrer
Einwohner  und  von  dem  Gange  der  öffentlichen  Meynung  habe,  tiberzeugt
mich,  dass  die  Aufhebung  der  Klöster  allerdings  unter  den  Katholicken
Sensation  machen,  dass  sie  aber  weder  fortdauernd,  noch  von  nachteiligen
Folgen  seyn  werde.  Der  Geist  der  katholischen  Religion  hat  schon  eine
gans  andre  Richtung  genommen,  und  wird  es  noch  immer  mehr,  jemehr
die  Folgen  eines  zweckmässigen  Schulunterrichts  sich  verbreiten.

Das  Zeitalter  des  Mönchsthums  ist  vorbei.  Der  Laye  fängt  an,  die
Ordensgeistlichen  aus  dem  wahren  Gesichtspunkte  anzusehen,  und  junge
Leute,  deren  Köpfe  in  den  Schulen  aufgehellt  worden,  drängen  sich  nicht
mehr  um  die  Aufnahme  in  Orden:  Die  Zahl  der  Mönche  in  den  strengen,
armen  und  den  Mendicanten-Klöstern  verringert  sich  täglich:  nur  zu  den
reichern  finden  sich  noch  Novizen,  aus  Liebe  zur  Bequemlichkeit  und
Müssiggang,  und  manche  Vorfälle  beweisen,  wie  lästig  die  klösterliche  Disciplin
  wird,  und  wie  gern  sich  Mönche  derselben  entziehen.

Nur  muss  der  öffentliche  Gottesdienst  und  dessen  Ausübung  ungestört
und  unbeschränkt  bleiben;  und  ich  kan  E.  M.  auf  meine  Pflicht  versichern,
dass  eine  leerstehende  Kirche,  welche  den  Katholiken  genommen  und  den
Protestanten  zum  Gottesdienst  eingeräumt  wird,  einen  widrigern  Eindruck
auf  jene  macht,  als  wenn  alle  Klöster  aufgehoben  werden.  Das  erstere
sehen  sie  als  einen  Widerwillen  gegen  den  catholischen  Gottesdienst,  das
letztere  allenfalls  vor  eine  Finanz-Speculation  an,  und  dieses  lässt  wenigstens
keine  gehässige  Meynung  zurück.  Die  Aufhebung  der  Mendicanten-Orden
würde  sogar  dem  grössten  Teil  der  niedern  Classe  der  Einwohner  erwünscht
seyn;  die  Sammler  der  Bettel-Klöster  schleichen  sich  in  die  niedrigsten
Hütten  und  belästigen  und  saugen  den  gemeinen  Mann  durch  ihre  Betteley
aller  Art  aus:  sie  werden  aber  auch  dem  Btaate  überhaupt  noch  dadurch
nachteilig,  dass  sie  durch  Austeilung  von  Skapulieren,  Bildern  und  Legenden
  den  Aberglauben  unterhalten  und  verbreiten.

IL  Die  Veränderungen,  welche  mit  den  Klöstern  vorgehen  sollen,
müssen  aber  nach  reiflicher  Erwägung  allgemein  seyn,  und  nicht  die  Mannsklöster
  allein,  sondern  auch  die  Nonnen-Klöster  betreffen:  nicht  die  reichen
und  begüterten  allein,  sondern  auch  die  Mendicanten-Klöster.  Es  ist  Ausserst
wesentlich,  bei  dieser  Operation  die  öffentliche  Meynung  zu  schonen,  und
auch  nur  den  entferntesten  Verdacht  eines  partheyischen  Eigennutzes  zu
vermeiden,  den  das  Publicum  gewis  fassen  wirde,  wenn  die  Aufhebung
nur  die  reichern  Klöster  betreffen  solte.  Nur  der  Orden  der  barmherzigen
Brüder!)  verdient  wegen  der  Krankenpflege,  die  er  aus  Religions-Pflicht  an
allerley  Glaubensverwandten  ausübt,  eine  ehrenvolle  Ausnahme  unter  den
Manns-Klöstern;  unter  den  Nonnenklöstern  die  Elisabethinerinnen  wegen
der  weiblichen  Krankenpflege,  und  die  Ursulinerinnen  wegen  der  weiblichen
Erziehung,  der  sie  sich  ganz  widmen.

1)  Cfr.  No,  576.

1804
März  4