Schlesien.  Duisburg.  Miinster.  171

1804

liche  Theile  umfassende  Universität,  ausserdem  aber  ebendaselbst  oder  zu  Juni  lR

Paderborn  ein  katolisches  theologisches  Seminarium  einzurichten  und  die
bestehenden  Gymnasien  an  den  Haupt-Orten  der  Provinzen  zu  verbessern.

Die  allgemeine  Darstellung  zeigt  die  Nützlichkeit  dieses  Plans  in  allen
Beziehungen  und  daraus  geht  auch  im  Allgemeinen  hervor,  dass  solcher
auch  mit  den  vorhandenen  und  nach  E.K.M.  Absicht  künftig  nach  Aufhebuug
  der  Universität  Erfurt  hinzukommenden  katolischen  Fonds  auf  eine
zweckmässige  Weise  wird  ausgefthrt  werden  können.  Die  nähere  Beurtheilung
  und  Ausführung  sezt  aber  die  oben  gedachte  specielle  Vermögens-Veranschlagung
  und  einen  vollständigen  Studien-Plan  voraus.  Bis  dahin  hat
man  sich  darauf  eingeschränkt,  die  erledigt  gewordenen  Stellen  bei  der
Universität  zu  Münster  wieder  zu  besetzen  und  das  Allernöthigste  Behufs
der  schon  bestehenden  Lehr-Fächer  zu  veranstalten.  Dagegen  sind  die  Anträge
  des  p.  Frhrn.  v.  Stein,  die  noch  fehlenden  Lehr-Stühle  nach  Maassgabe
  der  schon  ausgemittelten  Fonds  zu  bestellen,  noch  ausgesezt,  bis  erst
das  Ganze  übersehen  werden  kann.

Unterdessen  hat  derselbe  angezeigt,  dass  zwei  für  solche  fehlende  Lehrstellen,
  nämlich  für  das  Clinicum  und  für  angewandte  Mathematik  und
Cameral-Wissenschaften,  vorläufig  ausersehene  Männer  anderwärts  hin  einen
Ruf  bekommen  hätten,  und  deshalb  also  ein  beschleunigter  Beschluss  genommen
  werden  müsse,  wenn  man  nicht  die  Aussicht,  geschickte  Männer
bei  dortigen  Lehr-Anstalten  zu  erhalten,  aufgeben  wolle,  da  die  Besetzungen
und  reichliche  Dotirungen  der  Universitäten  Dorpat,  Wiirzburg  und  Wilna
fast  alle  geschickte  deutsche  Gelehrte  wegnähmen.

Für  das  Clinicum  zu  Münster  ist  nehmlich  der  bekannte  geschickte
Professor  Cappel  in  Göttingen  zu  erhalten,  und  für  die  Cameral-  und  die
zunächst  damit  verbundenen  Hülfs-Wissenschaften  der  Naturkunde  und  angewandten
  Mathematik  der  Professor  und  Doctor  Philosophiae  Merrem  zu
Duisburg,  der  jezt  als  öffentlicher  Lehrer  der  Cameral-Wissenschaften  und
Philosophie  ein  festes  Gehalt  von  355  Rthlr.  hat.  Ersterer  hat  einen  Ruf
als  öffentlicher  Arzt  nach  Moskau  mit  2500  Rubel  Gehalt,  freier  Wohnung
und  andern  Vortheilen  durch  den  kaiserlichen  Russischen  Gesandten  von
Alopeus  erhalten;  lezterer  aber  nach  Marburg  mit  800  Rthir.  festen  Gehalte.
  Beide  haben  schon  vorläufig,  da  sich  die  diesseitigen  Unterhandlungen
verzogen  haben,  diese  Rufe  angenommen;  allein  sie  ziehen  eg  vor,  nach
Münster  unter  E.K.  M.  freiern  wissenschaftlichen  Schutz  sich  zu  begeben,
wenn  jedem  ein  festes  Gehalt  von  1000  Rthlr.  und  ersterem  der  Hofraths-Charakter
  accordirt  wird.

Der  p.  Frhr.  v.  Stein  hat  dies  sehr  unterstüzt  und  zugleich  durch  vorläufige
  Berechnungen  nachgewiesen,  dass  es  an  Fonds  dazu  nicht  fehlen
kann,  indem  unter  der  sorgsamen  und  verständigen  Leitung  der  Verwaltung
der  Miinsterschen  Studien-Fonds,  die  während  der  diesseitigen  Occupation
durch  den  Dom-Dechanten  Frhrn.  v.  Spiegel  mit  der  grössesten  Uneigen-