Duisburg.  Münster.  Posen.  173

thuın.  Die  von  E.  E.  wohlbekannte  Grundsätze  meines  Verfahrens  in  meiner
Amtsführung  und  die  Beweise,  die  ich  so  vielmal  gegeben  habe,  zum  Besten
des  Landes,  insofern  es  meine  Lage  erlaubt,  mitzuwirken,  lassen  mich  nicht
zweifeln,  dass  meine  heutige  Vorstellung,  die  ich  in  grössten  Zutrauen  E.  E.
gerechten  und  humanen  Gesinnungen,  welche  Hochdero  Administration  30
wesentlich  characterisiren,  vorzulegen  mich  erdreiste,  wird  gnädigst  und
nicht  ohne  erwünschten  Erfolge  angenommen  werden,  und  zwar  um  so  mehr,
da  mich  zu  dieser  Verwendung  für  obgedachtes  Kloster  sowohl  die  Pflichten
als  Bischof,  wie  auch  als  eines  repraesentirenden  Nachfolgers  des  ersten
Fundators  motiviren.

Es  ist  nicht  meine  Sache  zu  untersuchen,  welche  idee  es  dem  SBtaate
über  die  Nothwendigkeit  und  Nutzbarkeit  der  Existenz  der  Kloster-Geistlichkeit
  zu  hegen  gefällt  oder  aus  welchem  Gesichtspunkte  dieselbe  angesehen
wird,  allein  ich  bin  der  Meynung,  dass  ich  nicht  irre,  wenn  ich  zu  behaupten
mich  erdreiste,  dass  es  unmöglich  ist,  dass  die  Klöster  für  unntitz  und  entbehrlich
  betrachtet  werden  sollten.  Der  beste  Beweis  des  von  denselben
entstehenden  Nutzens  ist  der  sich  täglich  vermehrende  Mangel  derjenigen
Personen,  die  ohne  aller  Hoffnung  zeitlichen  Vortheiles  mit  eigener  Selbstverläugnung
  und  mit  der  beyspiellosen  Uneigennützigkeit  dem  Gottesdienste
und  dem  Wohl  der  Christlichen  Gemeinden  sich  wiedmen.  Die  Folge  dieses
Mangels  ist  die  immer  mehr  und  mehr  anwachsende  immoralitaet,  deren
progressive  Zunahme  traurige  Aussichten  sowohl  für  das  Land  als  auch  fiir
die  Religion,  ohne  welcher  das  Land  nicht  subsistiren  kann,  verkündiget.
Und  obgleich  das  Beyspiel  der  Aufhebung  eines  oder  des  anderen  Klosters
hie  und  da  beym  ersten  Anblick  nicht  diese  Folgen  nach  sich  zu  ziehen
scheint,  so  muss  doch  die  Entfernung  der  Mönche  aus  ihren  seit  Jahrhunderten
  von  ihnen  bewohnten  Klöstern  starken  Eindruck  in  Rücksicht
derselben  beym  Volke  erregen,  besonders,  wenn  dieses  Schicksal  solche
Mönche  und  Klöster  trifft,  denen  man  weder  in  Rücksicht  der  btirgerlichen
noch  moralischen  Aufftihrung  etwas  vorzuwerfen  hat.  Diese  Betrachtungen
sprechen  durchaus  für  die  Reformaten  zu  Posen;  deren  beyspielige  Erfülung
  ihrer  Berufspflichten,  erwiesene  stete  Anhänglichkeit  zum  Staate,
ihre  Unterwürfigkeit  gegen  die  Dioecesan-Jurisdiction,  die  Hilfsleistung  bei
den  Arbeiten  in  dem  Weinberge  Christi,  die  bey  dem  Publico  billig  erworbene
  Achtung  macht  sie  wirklich  der  Rücksicht  des  Staats  würdig.  Dieses
Reformaten-Kloster  beruft  sich  in  seiner  Eingabe  auf  die  Landesgesetze,
die  für  sie  als  für  Eigenthümer  sprechen  und  die  zu  bestimmen  scheinen,
dass  ihnen  ihr  zugesichertes  Eigenthum  unbertihrt  bleiben  soll,  welches  sie
in  einem  so  guten  und  kostbaren  Zustande  zu  unterhalten  sich  bemtihet,  sogar
  unlängst  mit  ansehnlichen  Kosten  eine  Haupt-Reparatur  der  Dach-  und
Mauer-Werke  beendiget  haben.

Es  ist  nicht  meine  Sache  nachzuforschen,  inwiefern  dass  ihre  Behauptung
Rücksicht  bey  E.  E.  finden  kann,  allein  meine  Pflicht  ist  es,  Hochdenen-1804


Juni  18