1804
Juni  18

174  Urkunden  No.  722—  723.

selben  vorzustellen,  dass  die  Cathedralkirche  von  der  Communität  diese
Klosters  ihre  Prediger  zu  haben  pflegt,  deren  Verlust  desto  empfindlicher
sowohl  für  diese  Kirche  als  das  Capitul  seyn  müsste,  je  schwerer  solcher
zu  ersetzen  wäre.  Ueberdies  die  Anlage  selbst  dieses  Reformaten-Kloster;
am  äussersten  Ende  der  Stadt  Posen  macht  diese  Mönche  in  Ansehung  der
Seelsorge  unentbehrlich.  In  der  Entlegenheit  von  der  Stadt  von  dieser  $eite
ist  keine  Parochialkirche,  die  näher  als  eine  starke  Meile  belegen  wäre,
und  die  bey  Posen  belegene  und  zur  Parochie  ad  St.  Joannem  gehörige
Dörfer  würden  von  ihrem  local-Pfarrer,  da  derselbe  seiner  geringen  Fundation
  wegen  keinen  Gehülfen  haben  kann,  in  ihren  geistlichen  Bedürfnissez
nicht  bedient  werden  können,  wenn  die  Reformaten  von  dieser  Stelle  entfernt
  werden  sollten,  die  bis  hierher  in  der  Entlegenheit  fast  von  vier
Quadratmeilen  die  Seelsorge  versehen  haben.  Diese  Betrachtungen  und
Umstände,  deren  realität  ich  jeder  Prüfung  unterwerfen  kann,  machen  mich
so  dreiste,  meine  ganz  gehorsamste  Bitte  bey  E.  E.  anzubringen:
Hochdieselben  möchten  gnädig  geruhen,  durch  Hochdero  Intercession
die  Existenz  des  Reformaten-Klosters  zu  Posen  zu  bewirken.

Sollte  es  jedoch  wegen  Vollziehung  der  Landes-  Absichten  durchaus
erforderlich  seyn,  dass  das  Seminarium  für  die  Land-Schullehrer,  dessen
Nützlichkeit  nicht  zu  verkennen  ist,  in  dieses  Kloster  gebracht  werden  müsste.
so  halten  sich  die  dortigen  Mönche  aus  Liebe  zum  allgemeinen  Besten  für
verbunden,  von  ihrem  Eigenthum  zu  einem  so  löblichen  Behuf  ein  Opfer
zu  machen  und  sind  bereit,  so  viel  von  ihrem  Kloster  abzutreten,  als  zu
dieser  Absicht  erforderlich  ist,  wenn  ihnen  nur  soviel  Gelass  übrig  bleibt,
dass  sie  mit  8  Gliedern  ihrer  Communitaet  zur  Bequemlichkeit  des  Pablicums
  und  Bedienung  ihrer  Kirche  daselbst  bleiben  können.

Dass  diese  Einrichtung  stattfinden  kann,  beweiset  das  schon  im  Jahre
1795  erfahrene  Beyspiel,  als  dazumal,  da  das  ganze  Diovecesan-Seminarium
zu  einem  Militair-Lazareth  eingezogen  wurde,  die  Clerici  dieses  Seminari
in  einer  Anzahl  von  16  Personen  samt  ihren  drey  Professoren  in  das  Re
formaten-Kloster  translocirt  worden  und  dort  über  ein  ganzes  Jahr  geblieben
  sind.

Ich  setze  mein  ganzes  Zutrauen  auf  E.  E.  menschenfreundliche  und
liberale  Gesinnungen,  dass  Hochdieselben  nächst  meinen  vorgetragenen  B®
trachtungen  auch  diese  in  gnädige  Erwägung  ziehen  werden,  wie  schmertzlich
  es  Individuen,  besonders  betagten,  fallen  muss,  ihren  Ort,  wo  sie  den
mehresten  Theil  ihres  Lebens  in  völliger  Ruhe  zugebracht  haben,  räumen
zu  müssen  und  am  Abende  ihrer  Tage  sich  in  andern  Klöstern,  wo  sie
nicht  anders  als  Fremde  angesehen  werden,  unverschuldet  umzuschlagen
genöthiget  sehen.

Ich  schmeichle  mich,  dass  E.  E.  diese  meine  Vorstellung  nicht  für  eine
Widersetzlichkeit  gegen  die  Allerhöchste  Staatswillensmeynung  ansehen,
sondern  dieselbe  als  eine  natürliche  Wirkung  der  Amtspflichten,  deren  Er-