Rom.  Halberstadt.  Wigry.  Universitäten.  207

leste  erfurchtevolle  Bitte.  Was  aber  auch  das  Schicksal  der  unglücklichen
Klöster  seyn  möge,  so  werden  sie  mit  mir  nie  aufhören,  für  das  immerwährende
  Heil  ihres  Monarchen  zu  beten  und  mit  dem  ganzen  Volke  innig
auszurufen:

Gott  segne  den  Koenig!«  ...

1804

Juli  23

738.  Immediat-Bericht  dos  Staats-Ministers  Frhr.  v.  Schroetter.  Berlin  Juli  24

1804  Juli  24.

BR.  59.  32.  C.  Ausfertigung.  Concept,  geschrieben  von  Uhden,  korrigirt  und  gezeichnet  von
Schrostter:  Gen.-Direktorium  Neuostpreussen.  CXCVII.  5.

Die  von  dem  Bischofe  zu  Wigry  beantragte  Errichtung  eines  bischöflichen  Seminars

empfiehlt  sich  nicht.  Dagegen  würde  durch  die  bereits  vorläufig  genehmigte  Errichtung

  katholischer  Lehrstühle  auf  den  Universitäten  zu  Frankfurt  a/O.  und  Königsberg
  weit  sicherer  die  Ausbildung  quidenkender  Pfarrer  erzielt  werden.i)

»Der  von  E.  K.  M.  ernannte  Bischof  zu  Wygry  v.  Golaszewski?)  hat
bey  der  Cammer  zu  Bialystok  dringend  auf  die  Errichtung  eines  bischöflichen
  Seminarii  angetragen,  in  welchem  catholische  Geistliche  gebildet
würden,  mit  denen  die  zahlreichen  Pfarreyen  in  seiner  Didces  bey  vorkommenden
  Vacanzen  besezt  werden  könnten.  Die  Berichte  der  Cammer
überzeugen  auch  mich,  wie  unumgänglich  nothwendig  es  sey,  dass  für  den
Unterricht  der  catholischen  Geistlichkeit  in  Neuostpreussen  auf  diese  oder
eine  andere  Art  ernstlichst  gesorgt  werde,  da  bey  dem  gegenwärtigen  Mangel
an  Bildungs-Anstalten  für  dieselbe  der  unterrichteten  Welt-Geistlichen  dort
30  wenige  sind,  dass  die  erledigten  Pfarreyen  entweder  nicht  regelmässig
besezt  werden  können,  oder  zum  grössten  Nachteil  der  Cultur  rohen  und
nnwissenden  Priestern  tibergeben  werden  müssen.

Indessen  scheint  die  Errichtung  bischöflicher  Seminarien  die  Absicht,
such  durch  die  catholischen  Geistlichen,  besonders  durch  die  Pfarrer,  auf
die  Einsassen  zur  Verbreitung  der  Moralität,  Toleranz  und  anderer  gesellschaftlichen
  Tugenden  unter  ihnen  zu  wirken,  mehr  zu  verhindern  als  zu
befördern.  Denn  aus  solchen  Instituten,  wie  diese,  wo  unter  der  Leitung
der  dabey  so  sehr  interessirten  Bischöfe  jede  Abweichung  von  dem  alten
herkömmlichen  Unterricht  als  der  Religion  gefährlich  betrachtet,  und  so  der
Verbreitung  nüzlicher  wissenschaftlicher  und  anderer  Kenntnisse  der  Weg
versperret  wird,  wo  der  hierarchische  Catholicismus  gepflegt  und  in  die
Herzen  der  Zöglinge  der  feindselige  Egoismus  gepflanzt  wird,  der  eben  den
sewöhnliehen  catholischen  Priester  in  der  Gesellschaft  so  lästig  und  für  dieselbe
  50  untauglich  macht  —  aus  solchen  Instituten  können  nicht  wahre
Lehrer  des  Volks  hervorgehen,  die  den  catholischen  Untertanen  Toleranz,
Liebe  für  die  Regierung,  Gehorsam  gegen  die  Gesetze,  Thätigkeit  zu  ihrem
Berufe  zu  predigen  und  wahre  Bildung  unter  ihnen  zu  verbreiten  vermöchten.

1;  Cfr.  No.  619.  2,  Cfr.  No.  69.