212  Urkunde  No.  744.

et  welche  denselben  ausschliessend  den  Schutz  des  Staates  verleihen,  in  den
Augen  der  katholischen  Geistlichkeit  nur  eine  geringere  und  untergeordnete
Wichtigkeit  besitzen.  Zu  den  politischen  Rücksichten  der  den  Geschäften
des  Päpstlichen  Stuhls  vorstehenden  Cardinäle  würde  die  persönliche  Gewissenhaftigkeit
  des  Papstes  im  gegenwärtigen  Fall  noch  religiöse  hinzufügen.
  Denn  wenn  seine  Vorgänger  vielleicht  lieber,  was  sie  missbilligten,
selbst  thaten,  als  ohne  sich  geschehen  liessen,  so  hütet  sich  der  heutige
Papst  nun  vorzüglich,  selbst  zu  demjenigen  mitzuwirken,  was  seinen  Grundsätzen
  entgegen  läuft.  Auch  scheint  man  jetzt  hier  in  der  That  eine  Schen
zu  haben,  zu  nachgiebig  zu  scheinen,  und  bei  einigen  Maassregeln  Sr.
Kurfürstl.  D.  des  Kurfürsten  von  Pfalz-Baiern  habe  ich  bemerkt,  dass  man
besonders  fürchtet,  dass  die  Zustimmung  des  Papstes  oft  nur  dazu  gebraucht
werden  solle,  an  sich  auffallenden  Massregeln  ein  minder  befremdendes  Ansehen
  zu  geben.  Gerade  in  dem  jetzigen  Zeitpunkte  aber  wirken  dies
Gründe  doppelt  stark,  da  man  bei  dem  in  mehreren  Ländern  vorschreitenden
  Reformationsgeiste  bei  jeder  neuen  Maassregel  ffirchtet,  der  Römische
Stuhl  werde,  was  er  Einem  zugesteht,  allen  einräumen  müssen.

Da  ich  auf  diese  Weise  mir  nicht  schmeicheln  durfte,  schon  jetzt  etwas
ausrichten  zu  können,  so  glaubte  ich  mir  alle  Schritte  in  dieser  Sache
untersagen  zu  müssen;  indess  unterliess  ich  doch  nicht,  wenigstens  ungefähr
die  Gesinnungen  des  Cardinals-  Staats-Secretaires  über  diesen  Gegenstand
zu  erforschen,  und  benutzte  dazu  die  Veranlassung,  welche  mir  die  Klagen
gaben,  die  er  mir,  wie  ich  auch  E.  K.  M.  in  meinem  politischen  chiffrirten
Bericht  vom  17.  März  c.!)  zu  äussern  gewagt  habe,  mehrmals  tiber  die  angeblich
  geschehene  Einziehung  aller  Klöster  in  den  Preussischen  Staaten
geführt  und  zufälligerweise  noch  wenige  Tage  vor  dem  Einlaufen  des  letzten
allerhöchsten  Rescripts  wiederholt  hatte.  Indem  ich  nun  auf  eine  ungezwungene
  Weise  das  damals  abgebrochene  Gespräch  wieder  aufnahm,  warf
ich  hin,  dass,  da,  wie  es  auch  mit  der  Wahrheit  des  ihm  zugekommenen
Gertichtes  von  der  Abschaffung  aller  Preussischen  Klöster  stehen  möge,
wenigstens  gewiss  noch  nicht  alle,  sondern  Öffentlichen  Nachrichten  zufolge
erst  sehr  wenige  wirklich  eingezogen  wären,  vielleicht  Modificationen  hierbei
zu  erhalten  seyn  möchten,  ja  dass  vielleicht  nach  den  milden  und  gemässigten
Gesinnungen  E.K.  M.  durch  eine  freundschaftliche  Rücksprache  zwischen
beiden  Höfen  die  plötzliche  Einziehung,  wenn  dieselbe,  wie  er  voraussetze,
wirklich  beabsichtet  seyn  sollte,  in  ein  allmähliges  Aussterben  verwandelt
werden  könne.  Der  Cardinal  ergriff  diese  Idee,  die  ich  ihm  bloss  als  die
meinige  und  im  Augenblick  entstanden  gab,  mit  seiner  gewöhnlichen  Lebhaftigkeit
  und  sagte,  dass  der  Papst  wohl  in  irgend  eine  motivirte  Verminderung
  der  Klöster  einstimmen  dürfte,  allein  so  wie  man  bemerke,  das
eine  weiter  und  auf  alle  gehende  Absicht  zum  Grunde  liege,  könne  er,  als
Oberhaupt  der  Kirche,  nicht  die  Hand  dazu  bieten  und  würde,  wenn  &amp;f

2)  No.  691.