280  Urkunden  No.  783784.

1805  Ja  es  wlrde  selbst  das  Zutrauen  der  Einsassen  zu  meiner  Administration

Jan.

schwächen,  welche  den  Umfang  der  Sache  und  die  Bewegungsgründe  nicht
übersehen  können,  auf  welche  aber  die  Geistlichkeit  einen  zu  grossen  Einfluss
hat,  um  deren  Behörde  nicht  als  eine  der  wichtigsten  des  Staats  anzusehen.

Dürfte  ich  es  dagegen  wagen,  E.  K.M.  ein  treues  Bekenntniss  abzulegen,
  und  welches  sich  auf  Erfahrung  und  reine  Wahrheit  gründet,  so  halte
ich  es  dem  Gemein-Besten  und  der  Beförderung  der  National-Bildung  nicht
blos  zuträglich,  sondern  selbst  notwendig,

dass  die  Geistlichkeit  tiberhaupt,  besonders  aber  die  catholische,
ganz  vorzüglich  aber  alle  Schul-Sachen  meines  Departements  unter
dem  Provincial-Departement  ständen  und  von  selbigem  nach  dem
Ressort-Reglement  von  Neu-Östpreussen  bearbeitet  und  abhängig  ge
macht  wirden.

Die  Geistlichkeit,  wenn  sie  ihren  Zweck  erfüllen  will,  muss  auf  die
untere  Volks-Classe  mehr  als  irgend  eine  andere  Behörde  wirken,  aber  nicht
blos  durch  geistliche  Handlungen,  sondern  eigentlich  durch  ihre  direct
Aufsicht  auf  die  Schulen,  noch  mehr  aber  durch  das  Beispiel,  so  sie  den
Gemeinden  durch  ihre  Humanität,  Moralität,  Thätigkeit,  Fleiss  und  alle  die
ländliche  Verrichtungen  aufstellt,  wodurch  der  Wohlstand  der  Einsassen  nur
allein  befördert  werden  kann.  Jezt  ist  der  geistliche  Stand  (ich  rede  hier
eigentlich  von  denen  Landpriestern)  sich  selbst  tiberlassen,  niemand  nimmt
von  ihm  directe  Notize  als  wieder  ein  Geistlicher,  und  es  ist  daher  aus
ihm  eine  Art  Kaste  gebildet  worden,  die  sich  nur  dann  als  Bürger  des
Staats  betrachtet,  wenn  sie  von  Bürgern  was  einzunehmen  hat,.  am  Staat
selbst  aber  nur  dann  Teil  nimmt,  wenn  sie  von  selbigem  etwas  zu  erwarie
hat.  Daher  die  Intoleranz  dieses  Standes,  sein  Trieb  zu  erndten  und  zu
decimiren,  wo  er  nicht  gesäet  hat,  seine  Abneigung  gegen  Thätigkeit  und
bürgerliche  Geschäfte  und  Lasten,  und  dahero  auch  die  nattirliche  Abneigung,
so  das  Volck  in  der  Regel  gegen  die  Priester  hat,  von  welchen  es  nur  noch
blos  durch  die  Bigotterie  auf  Kosten  der  Religion  abhängig  erhalten  wird.

Würde  die  Geistlichkeit  aber  durch  Civil-Offcianten  visitiret  und  be
sonders  die  Land-Schulen  revidiret,  würden  nur  diejenigen  zu  besser
Stellen  befördert,  welche  die  meiste  Thätigkeit  in  Bildung  ihrer  Jugend  im
Acker-  und  Gartenbau,  in  den  Pocken-Inoculiren,  in  der  Sorgfalt  für  die
Gemeinde-Armen  und  die  Hospitäler  pp.  bezeugt  hätten,  erhielten  die  schon
gut  salarirten  Prediger  Prämien  und  Auszeichnungen,  so  wiirde  die  jetzige
Prediger-Kaste  eine  ganz  andere  Ansicht  der  Dinge  bekommen,  ein  Bürgerund
  Vaterlands-Geist  würde  sie  beleben,  und  sie  wiirde  das  werden,  #3
sie  seyn  sollte,  nämlich:

das  Werckzeug,  wodurch  eine  gute  und  gerechte  Regierung,  2.  B.  wie
die  von  E.  K.  M.,  die  untere  Volcks-Classe  genau  beobachten,  sul
den  Geist  und  die  Denkungs-Art  derselben  directe  wirken  und  über
sie  unter  dem  Bilde  des  geistlichen  Seegens  eigentlich  den  weltlichen