(1806
Febr.)

298  Urkunde  No.  791.

Ein  von  allen  Lehrern  der  Katholischen  Kirche  auf  das  dringendste
empfohlenes,  von  allen,  ihrer  Religion  zugethanen,  Katholiken  sorgfältigst
als  Pflicht  benutztes  Mittel  zur  Erhaltung  der  Moralität  ist  der  Ööftere  Ge
brauch  der  heiligen  Sakramente,  insbesondere  jenes  der  Beicht  und  Communion.
  Diese  erfordern  aber  eine  ungleich  beträchtlichere  Anzahl  von
Priestern,  um  selbige  auszuspenden,  als  es  dermalen  Weltgeistliche  in  den
Pfarrkirchen  giebt,  und  nach  Aufhebung  der  Armen-Klöster  würde  sich  ein
beträchtlicher  Theil  von  Gläubigen,  aus  Mangel  an  Geistlichen,  in  die  Nothwendigkeit
  versetzt  finden,  jenes  geistlichen  Trostes  entbehren  zu  müssen,
worunter  die  allgemeine  SBittlichkeit  nothwendig  leiden  würde.  Die  Kapıziner
  allein  hören  nach  einem  mässigen  ungefähren  Ueberschlag  jährlich
26000  mal  die  Beicht,  und  haben  in  den  jtingstverflossenen  Weihnacht
feyertagen  6000  Seelen  die  Communion  ausgetheilt,  indem  nicht  allein  die
Stadt-  sondern  auch  die  Landbewohner  ihrer,  so  wie  der  Franziskaner-Kirche
haufenweise  zuströmen.  Aber  nicht  allein  auf  ihre  Kloster-Kirchen,  welche
wegen  des  ordentlichen  und  einfachen  Gottes-Dienstes  sehr  häufig  besucht
werden,  erstreckt  sich  ihr  Wirkungskreis,  sondern  sie  werden  häufig  von  den
Landpfarrern  berufen,  welchen  sie,  weil  die  Pfarreien  nicht  mit  hinlänglichen
  Weltgeistlichen  versehen  sind,  zu  ihren  Amtsverrichtungen  durchaus
unentbehrlich  sind.  Ebenso  ämsig  und  von  ausgebreiteten  Nutzen  sind  sie
im  Predigen  und  im  Besuchen  der  Kranken,  so  dass  in  dieser  letztern  Hinsicht,
  zumal  beim  Eintreten  ansteckender  Krankheiten,  ihre  Aufhebung
von  den  nachtheiligsten  Folgen  für  das  Publikum  seyn  würde.  Sie  speisen
täglich  mehr  Dürftige,  als  Individuen  im  Kloster  sind.  —  Sie  sind  ihres
tadellosen  und  erbaulichen  Wandels  wegen  allgemein  geachtet.  —  Bie  kosten
dem  Staate  unmittelbar  gar  nichts  und  ziehen,  was  die  mittelbare  Unterstützung
  von  Seiten  der  Unterthanen  angehet,  aus  den  nicht-preussischen
Antheilen  des  ehemaligen  Mtinsterlandes  weit  mehr,  als  aus  dem  hiesigen
Erbfürstenthum,  indem  sich  ihr  Terminiren  bis  ins  Oldenburgische  hinein
erstreckt.  Der  den  armen  Ordensgeistlichen  in  manchen  Ländern  gemachte
Vorwurf,  dass  sie  behuf  ihrer  Termine  das  Volck  im  Aberglauben  zu  er
halten  suchten,  trift  die  hiesigen  nicht,  indem  die  unter  vorletzter  Regie
rung  in  dieser  Hinsicht  erlassene  Verordnung,  welche  noch  gegenwärtig
genau  beobachtet  wird,  ihnen  blos  nützlich  zu  seyn  gestattet,  auch  ohne
hin  bei  der  gründlichen  Aufklährung  des  hiesigen  Volks  in  dieser  Rücksicht
nichts  zu  befürchten  wäre.

Sollte  die  Stelle  dieser  Orden  durch  angestellte  Geistliche  in  den  Pfarreyen
  ersetzt  werden,  so  würde  nicht  allein  deren  Dotirung  dem  Stasle
unendlich  viel  kosten,  sondern  auch  diese,  mit  mannigfachem  Interesse  an
Weltverhältnisse  hangenden  Weltgeistliche  dem  Publikum  nicht  den  Nutzen
gewähren,  als  jene  unter  einer  strengen  Disciplin  stehenden,  dem  Heil  ihrer
Nebenmenschen  und  ihrer  Pflicht-Erftllung  ungetheilt  und  rücksichtlos  sich
widmenden  Ordensleute.  Die  Zahl  der  Individuen  ist  auch  noch  nicht  da,