1805
April
10/14

354  Urkunden  No.  819-820.

Der  Bau  dieses  Bethhauses,  die  Unterhaltung  des  Predigers  und  Behulhalters,
  auch  der  Bau  einer  Wohnung  für  erstern  geschahe  aus  den  alleinigen
Kräften  beider  Gemeinden;  Auch  kauften  sie  einige  Jahre  nachher  ein  Privathaus
  zum  Schulhause,  wovon  sie  vermöge  eines  Abkommens  mit  der  Herschaft
  alle  20  Jahre  von  200  Rthir.,  als  dem  damaligen  Kaufgelde,  10  Procent
Laudemium  an  die  Herrschaft  entrichten.  Uebrigens  hat  die  Herrschaft  bei
diesen  Bauten  die  Bau-Materialien  hergegeben,  auch  sonst  die  Gemeinden
unterstüzt.  Das  anfänglich  blos  hölzerne  Bethhaus  ist  schon  vor  einizen
Jahren  baufällig  geworden  und,  da  sich  die  Gemeinden  seit  1740  um  1W
Feuerstellen  vermehrt,  das  Bethhaus  daher  für  diese  Gemeinden  za  klein
war,  so  wünschten  sie  sich,  eine  neue  massive  Kirche  nebst  Thurm  erbauen
zu  dürfen.

Nach  vorgängiger  Untersuchung  erhielten  sie  dazu  die  Erlaubnis.
Diese  neue  Kirche  stehet  bereits  erbauet  da  und  wird  darin  schon  erargelischer
  Gottesdienst  gehalten.

Die  Baukosten  haben  8442  Rthir.  18  Sgr.  7  Pig.  betragen  und  inclusive
der  hiezu  gemachten  Schulden  und  der  noch  erforderlichen  Einrichtung
kosten  ist  noch  ein  Deficit  von  5797  Rthir.  vorhanden.  Das  Kirchen-Vermögen
  beträgt  zwar  nur  825  Rthir  1  Sgr.  71/,  Pfg.,  allein  die  Gemeinde,
welche  in  Rabischau  aus  17  Bauern,  40  Gärtnern,  298  Häuslern,  26  Irliegern,
  in  Haine  aus  58  Häuslern,  3  Inliegern  bestehet,  hat  sich  bey  Nachsuchung
  der  Erlaubniss  um  Erbauung  dieser  neuen  massiven  Kirche  verbindlich
  gemacht,  in  4  Jahren  die  Baukosten  zu  entrichten  und  abzuführen;
sie  soll  auch  nach  der  Versicherung  der  Herrschaft  im  Wohlstande  seyn
und  durch  Verkauf  der  Kirchen-Stände  sehr  leicht  in  den  8tand  gesez
werden  können,  die  rtickständigen  Schulden  zu  berichtigen.

Bey  Nachschlagung  des  Hypothequenbuchs  hat  sich  ergeben,  dass  etwa
der  20.  Theil  der  Grundstücke  mit  hypothecarischen  Schulden  belastet  ik.

Die  katholische  Kirche  hat  nach  dem  Abschluss  der  Kirchen-Rechnung
am  31.  Decembris  pr.  2811  Rthlr.  21  Sgr.  1  Pfg.  Capital,  152  Rthlr.  1  dgr.
9  [Pfg.]  baaren  Bestand  gehabt.

Die  Pfarr-Wiedemuth  hat  116  Scheffel  Aussaat.  Der  Acker  ist  verpachtet
  und  der  zeitige  katholische  Pfarrer,  welcher  in  Friedberg  wohnt,
hat  hiervon  eine  jährliche  Einnahme  von  172  Rthir.  24  Sgr.  Der  Glöckner
daselbst  16  Rthir.  12  Sgr.  und  1  Scheffel  2  Metzen  Korn  als  Decem.

Uebrigens  ist  gegenwärtig  kein  katholischer  Wirth  weder  in  Rabischst
noch  Haine  vorhanden,  sondern  nur  7  Familien,  welche  sich  zur  katholischen
  Religion  bekennen,  aber  nicht  eigentlich  als  Kirchen-Mitglieder  zu
betrachten.  f

Die  Kirche  wird  nur  alle  Jahr  einmal  am  Kirchweih-Fest  gebrauch

Die  evangelischen  Gemeinden  wtnschen  nun  hauptsächlich  die  Rückgabe
dieser  Kirche  aus  dem  Grunde,  weil  sie  das  vorhandene  Vermögen  derselben

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