Marienwerder.  Soest.  401

842.  Staats-Minister  Frhr.  v.d.Reck  an  den  Staats-Minister  v.  Massow.  „

Berlin  1805  Juni  25.
RB.  34.  203.  a.  Concept,  gez.  Reck;  Anweisung  von  Raumer,
Die  Neu-Einrichtung  des  Kollegiat-Stiftes  ad  St.  Patroclum  zu  Soest.

»E.E....  Zuschrift  vom  27.  v.  M.  in  Betreff’  des  Collegiatstifts  ad
Sanctum  Patroclum  zu  Soest  habe  ich  erhalten  und  ermangele  nicht  ...
den...  Bericht  der  Clev-Märckschen  Kammer  zu  Hamm  vom  30.  April  c.!)

.  zu  remittiren.

Was  die  Vorschläge  der  lezteren  wegen  künftiger  besseren  Einrichtung
des  gedachten  Capituli  betrift,  so  bin  ich  der  Meinung,  dass  für  izt  nach
Inhalt  des  Königlichen  Befehls?)  zu  verfahren  und  allgemeinen  Einrichtungen
  so  lange  Anstand  zu  geben  ist,  bis  bei  der  mit  den  Capituln  und
Stüftern  in  den  alten  Königlichen  Landen  vorzunehmenden  Veränderung  und
neuen  Einrichtung  die  Reihe  auch  dieses  Stift  treffen  wird;  dass  man  aber
alsdann  vermeiden  muss,  irgend  einen  catholischen  Geistlichen  zuzuziehen,
indem  es  sehr  wohl  angehen  wird,  auch  ohne  einen  solchen  die  Vorschläge
des  Stifte  zu  prüfen  und  darüber  nach  Maassgabe  der  von  Sr.  K.M.  allgemein
  vorgeschriebenen  Normal-Principien  Entscheidung  zu  treffen.  Die
Zuziehung  catholischer  Geistlichen  hiebei  würde  der  landesherrlichen  geistlichen
  Gerichtsbarkeit  Schaden  thun,  welche  im  Clevischen  Sr.  M.  auch  über
Catholicos  salva  eorum  conscientia  zustehet,  und  es  könnte  jene  Zuziehung
die  eatholische  Geistlichkeit  sogar  veranlassen,  dass  sie  die  hierarchischen
Grundsätze  dahin  zu  benutzen  versuchen  mögte,  um  in  Rom  selbst  durch

allerhand  Umwege  und  Intriguen  Sensation  zu  erregen,  welches  nothwendig
zu  vermeiden  ist.x  ...

Reck  erklärt  sich  am  25.  Juni  1805  gegen  ein  Regulativ.

Die  Vergebung  der  Stiftsstellen  war  bis  zum  Reichsdeputationshauptschlusse
  z.  Th.  im  Pfälzischen  Mitbesitze,  woran  u.  a.  die  vom  Stifte  selbst

beantragte  Einziehung  von  17  Pfründen,  z.  Th.  zum  Besten  der  Schulen,
scheiterte,

Umfangreiche  Verhandlungen  darüber  zwischen  dem  Auswärtigen,  Geistlichen
  und  Hoheits-Departement  und  mit  dem  Münchener  Hofe  vom  Januar
1800  bis  zum  Februar  1802  in  R.  34.  203.  a.

Später  cessirte  das  »Pfälzische  Compatronat«  in  Folge  der  stillschweigenden
  Aufhebung  des  preussischen  in  Düsseldorf  und  Kaiserswerth.

1}  Dieser  Bericht,  24  Folioseiten  umfassend,  betrifft  die  Einrichtung  des
Stiftes  fir  Katholiken  und  Protestanten.

2)  Cabinets-Ordre  an  Massow,  d.  d.  Berlin  1805  Januar  31,  die  bei  einer  er-Iodigten
  Praebende  des  Stifts  verfügte:  »dass  die  Resignation  auch  an  einen  sonst
qualificirten  Protestanten  soll  geschehen  können.«

Granier,  Preussen  und  die  kath.  Kirche.  IX.  26

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