462  Urkunden  No.  870-871.

gl  friedsam  fort,  allein  die  für  den  Staat  so  nützliche  Harmonie  der  verschie
denen  Glaubensverwandten  wird  jetzt  ohnfehlbar  unterbrochen,  auch  der
Geist  des  Catholicismus  wieder  belebt,  wenn  sich  diese  Religions-Parthie  im
Verlust  gesetzt  glaubt  und  als  ecclesia  pressa  betrachtet.

Ganz  entfernt  bin  ich  zu  behaupten,  dass  sie  hierzu  hinreichendem
Grund  habe;  dergleichen  Volksmeinungen  lassen  sich  aber  durch  theoretische
  Wahrheiten  nicht  schnell  besiegen,  sondern  diese  wirken  nur  langsam,
  wenn  mit  der  Zeit  eigne  Ueberzeugung  entsteht  und  dadurch  die  Gewissens-Sache
  beruhigt  wird.  Sei  es  auch  nur  ein  blosser  Wahn,  in  dem
hiebei  die  schlesischen  Katholiken  stecken,  so  bleibt  er  dennoch  sehr  wichtig,
weil  beinabe  eine  Million  Menschen,  als  so  hoch  sich  die  Zahl  der  in
Schlesien  wohnenden  Katholiken  beläuft,  diesen  Wahn  hegt  und  ihn  mit
allen  übrigen  katholischen  Christen  gemein  hat.

Schon  ist  der  Geist  der  Duldung  in  Schlesien  so  weit  vorgerückt,  dass
die  Katholiken  in  ihren  Kirchen  den  Protestanten  einen  simultanen  Gottesdienst
  gern  nachgeben.  Wird  den  Protestanten  solcher  in  Nothfällen  eingeräumt,
  jedoch  die  Kirche  nebst  Vermögen  und  Zubehör  den  Katholiken
belassen,  und  letzteres  unter  Leitung  des  Staats  auf  den  Fall,  wenn  es  zu
einem  einzelnen  katholischen  Kirchen-System  nicht  mehr  nötig  ist,  zu  andern
Kirchen-  oder  Schul-Anstalten  für  Katholiken  verwendet,  so  ist  bei  der
katholischen  Geistlichkeit  und  den  katholischen  Grundherrschaften  und  Untertanen
  jeder  Trübsinn  gehoben,  und  das  Band  mit  dem  Landesherrn  jetzt
sodann  noch  fester  gekntipft.

Hiernach  beurteile  ich  das  Gesuch  des  Grafen  v.  Schaffgotsch,  so  wie
aller  übrigen.

E.  M.  geruhen  der  Freimtthigkeit  zu  vergeben,  mit  der  ich  meine  Bedenklichkeiten
  als  ein  ehrlicher  und  wahrheitliebender  Mann  geäussert  habe;
sie  entsteht  lediglich  aus  der  häufigen  Wahrnehmung,  dass  in  dieser  Sache
die  weisen  Absichten  des  allgemein  geliebten  Monarchen  verkannt  werden.
Allerhöchstdieselben  bitte  ...,  wenigstens  auf  einen  günstigern  Zeitpunkt
die  schwebenden  Untersuchungen  suspendiren  zu  lassen,  im  Falle  es  bei
den  festgesetzten  Bestimmungen  verbleiben  solte.  Ich  erwarte  Allerhöchstdero
  weitere  Befehle  und  werde  nicht  verfehlen,  sie  ferner  in  gewohntem
Pflichtgefühl  treu  und  redlich  ....  zu  vollziehen.«

Okt.  11  871.  Immediat-Bericht  der  Staats-Minister  Frhr.  v.  Hardenberg  und
v.  Angern.  Berlin  1805  Oktober  11.
R.  89.  58.  T.  Ausfertigung.

Das  Stift  Elten  ist  vorläufig  nicht  einzuziehen,  wegen  seiner  in  der  Batarischen
Republik  belegenen  Besüxungen.  Wiederbesetzung  der  erledigten  Achtissin-Stelle.

»Die  Frau  Fürstin-Aebtissin  zu  Elten  hat  in  der...  Immediat-Eingabe
  vom  21.  August  1802  gebeten,  das  Stift  Eliten  bestehen  zu  lassen,