Humboldt.  Gnesen.  Warschau.  Rom.  537

In  Absicht  des  canonischen  Processes  fir  den  Grafen  v.  Raczynski  ist
meines  Erachtens  kein  Grund  vorhanden  solchen  zu  umgehen,  und  deshalb
auch  schon,  Inhalt  meines  unterm  17.  Aprill  1805  an  des  Herrn  Staatsand
  Cabinets-Ministers  Freiherrn  v.  Hardenberg  Exc.  erlassenen  Schreibens,
der  Weihbischof  von  Gnesen,  v.  Lubinski,  und  eventuel  der  Fürst  Bischof
von  Plock  oder  dessen  Suffragan  in  Vorschlag  gebracht  worden.  |

Endlich  war  in  Pohlen  das  pallium  ein  Vorrecht  der  beiden  Erzbisthümer
  Gnesen  und  Krakau  und  ich  sehe  nicht  ab,  warum  man  darauf
sollte  Verzicht  leisten  wollen.  Vielmehr  wird  es  meines  Dafürhaltens  für
den  Grafen  v.  Raczynski  verlangt  "werden  miissen,  um  so  mehr,  da  der  verstorbene
  Graf  v.  Krasicki  es  gleich  seinen  Vorgängern  gehabt  hat,  wie  selbst
aktenmässig  daraus  abzunehmen  ist,  dass  der  vormalige  Königliche  Resident
am  römischen  Hofe  Ciofani  mittelst  Rescripts  vom  21.  Aprill  1795  aus  dem

.  Departement  der  auswärtigen  Angelegenheiten  angewiesen  worden,  auch
die  Kosten-Verminderung  für  das  pallium  zu  bewirken,  und  dass  besage  des
Schreibens  desselben  ...  Departements  an  den  damals  in  Stidpreussen  dirigirenden
  Minister  Herrn  Grafen  v.  Hoym  Exc.  vom  21.  Januar  1796  besagter
  Resident  gemeldet  hat,  dass  der  Papst  den  neuen  Erzbischof  von
Gnesen  in  dem  letzten  Consistorium  förmlich  und  feierlich  proclamirt  habe,
und  hiermit  die  ganze  damalige  Angelegenheit,  weil  die  päpstliche  Bullen
und  Breven  in  nichts  von  dem  gewöhnlichen  Inhalte  abgewichen  sind,  für
völlig  beendigt  angenommen  worden  ist.

Ich  bemerke  nur  noch,  dass  ich  zu  Gewinnung  der  Zeit  hiernach  selbst
an  des  Herrn  p.  p.  Grafen  v.  Haugwitz  Exc.  schreibe  und  ihn  ersuche,
demgemäss  den  Gesandten  zu  Rom  v.  Humbold  mit  der  nöthigen  Instruction
zu  versehen.  «

923.  Bericht  des  Bevollmächtigten  Ministers  Frhr.  v.  Humboldt.  Rom
1806  Mai  28.

R.  XI.  Rom.  Eigenhändige,  z.  Th.  chiffrirte  Ausfertigung;  nach  der  Dechiffrirung.
Bedenken  des  Papstes,  den  Grafen  Raczynski  in  den  beiden  Bisihümern  Gnesen  und
Warschau  zugleich  zu  bestätigen,  da  er  eine  ähnliche  Forderung  Frankreichs  abgelehnt.!)
  Festigkeit  des  Papstes  gegenüber  den  immer  weiter  greifenden  französischen

Zumuthungen.

»Comme  j’ai  remarqu6  que  le  Pape  desiroit  que  la  cause  de  l’embarras,
dans  lequel  il  se  trouvoit  relativement  aux  demandes  de  V.  M.  de  conferer
ä  la  fois  l’Archevöch6  de  Gnesen  et  l’Ev&amp;che  de  Varsovie  au  Pr.  de  Raezinski,
  ft  moins  connue,  et  comme,  en  son  entretien  avec  moi,  il  lui  est
chapp6  des  phrases  qui  me  semblent  meriter  d’ötre  repetses,  j’ai  cru  devoir
ajouter  quelques  mots  en  chiflre  ...  sur  cette  affaire.  C’est?)  la  France
ä  laqnelle  la  Cour  de  Rome  a  refuss  d’accorder  deux  Evöches  au  m£me
Prelat  et  ce  point  a  &amp;t6  une  des  contestations  desagreables  entre  le  Cardinal

1)  Cfr.  No.  922.  2)  Von  hier  ab  chiffrirt.

1806
Mai  24

Mai  28