1806
Sept.  11

602  Urkunden  No.  958—969.

Regenten  gemäss,  eine  der  vorhandenen  Kirchen  und  namentlich  die  Unterkirche
  eingeräumt  werden  oder  ihnen  eine  neue  gebaut  werden  muss.  Ein
andres  Verfahren  kann  nicht  Statt  finden  und  jeder  Unpartheyische  wird
bey  reiflicher  Erwägung  gestehen  miissen,  dass  auf  diese  Weise  nach  verntinftigen
  Gründen  und  der  Billigkeit  gemäss  verfahren  wird  und  dass  bey
vorhandenen  überflüssigen  Kirchen  der  Bau  einer  neuen  eine  unnöthige  Belästigung
  sein  wiirde.  Ich  darf  E.  p.  nicht  erst  versichern,  dass  ich,  «
viel  von  mir  abhängt,  jede  unbillige  oder  gar  harte  Behandlung  der  Katholiken
  nicht  zugeben  werde  und  dass  ich  nur  nach  völliger  Ueberzeugung
von  dem,  was  thunlich  und  nothwendig  ist,  entweder  zur  Einräumung  oder
zur  Erbauung  einer  Kirche  für  die  Protestanten  mitwirken  werde.

Die  ganz  unpartheyischen  liberalen  Grundsätze  der  Preussischen  Regierung
  sind  bekannt.  Aber  dieselben  würden  zu  weit  gehen  und  in  Indiffe
rentismug  ausarten,  wenn  man  für  die  Protestanten,  die  doch  die  grössere
Zahl  der  Staats-Unterthanen  ausmachen  und  zu  denen  sich  das  oberste
Haupt  des  Staats  selbst  bekennt,  nicht  eben  die  Fürsorge  wie  für  die
Katholiken  beweisen  wollte.  Derjenige,  der  dazu  gewirkt  hat,  letztern  an
einem  Orte,  wo  sie  in  weit  kleinerer  Zahl  als  die  Protestanten  in  Duderstadt
  waren,  eine  eigene  bis  dahin  protestantische  Kirche  nebst  neu  dotirter
Pfarre  zu  verschaffen,  wie  dieses  von  mir  in  Goslar  geschehen  ist,  muss
hierunter  über  jeden  Verdacht  von  kleinlichen  Sektengeist  erhoben  seyn.

Dagegen  aber  hege  ich  dann  auch  zu  Ew.  p.  das  völlige  Vertrauen,
dass  Sie,  welches  auch  das  Resultat  der  anzustellenden  Untersuchung  sern
mag,  auf  alle  von  Ihnen  abhängende  Weise  zur  Beruhigung  der  Gemüther
beytragen  und  jeden  Ausbruch  gehässiger  und  feindseeliger  Gesinnungen.
welcher  nur  unausbleibliche  und  sehr  unangenehme  Ahndung  zur  Folge
haben  würde,  zu  verhüten  suchen  werden.  Bey  dem  allgemeinen  Vertrauen,
welches  Ew.  p.  Sich  in  Ihrer  Gemeinde  erworben  haben,  kann  dies  nicht
schwer  fallen  und  dem  wahren  Geist  des  Christenthums,  welchen  die  Eingeweihten
  von  jeder  Glaubens-Confession  zu  verbreiten  und  herrschend  zu
machen  suchen  müssen,  sind  ja  überdem  Streitigkeiten  und  Gesinnungen,
wie  sie  sich  dort  zu  äussern  drohen,  ganz  fremd.  Die  besten  Mittel  zu
diesem  Zweck  muss  ich  Ew.  p.  einsichtsvollem  Urtheil  und  Ihrer  Lokal-Kenntniss
  überlassen;  doch  bitte  ich,  nur  ganz  bestimmt  zu  äussern,  dass
Jeder,  der  seine  Anmaassung  so  weit  treiben  wollte,  seinen  protestantischen
Mitbürgern  eine  ihm  tiberfltissige  Kirche  zu  misgönnen  und  sich  dem  entschiedenen
  Willen  des  für  alle  seine  Unterthanen  so  väterlich  sorgenden
Monarchen  widersetzen  wollte,  als  ein  ungehorsamer  Unterthan  würde  angesehen
  werden.  Ich  werde  auch  besonders  dahin  wirken,  dass  von  protestantischer
  Seite  aller  Anlass  zu  gegenseitiger  Erbitterung  sorgfältig  vermieden
  werde.  Jeder  Protestant,  der  sich  derselben  schuldig  macht,  wird
ernstlich  bestraft  werden.  Herr  Kriegs-  und  Domainen-Rath  Sombart  wird
hieruuter  auf  beyde  Theile  sehr  aufmerksam  seyn  und  ich  erwarte,  dass