römische  Element  dominierten,  war  schon  nicht  mehr  so
bedeutend,  und  mit  dem  Einbrechen  der  Barbaren  —  der
Mongolen  —  fand  die  Kultur  in  Asien  vollends  ein  Ende.
Man  hat  sich  dieser  Tatsache  gegenüber  mit  der  Hypothese
  geographischen  Fortschreitens  helfen  wollen;  allein
ich  muß  es  von  vornherein  für  eine  leere  Behauptung  erklären,
  wenn  man  annimmt,  wie  z.B.  Peter  der  Große,
die  Kultur  mache  die  Runde  um  den  Erdball;  sie  sei  vom
Osten  gekommen  und  kehre  dahin  wieder  zurück.

Fürs  zweite  ist  hierbei  ein  anderer  Irrtum  zu  vermeiden,
nämlich  der,  als  ob  die  fortschreitende  Entwicklung  der
Jahrhunderte  zu  gleicher  Zeit  alle  Zweige  des  menschlichen
  Wesens  und  Könnens  umfaßte.  Die  Geschichte
zeigt  uns,  um  beispielsweise  nur  einen  Moment  hervor:
zuheben,  daß  in  der  neueren  Zeit  die  Kunst  im  15.  und
in  der  ersten  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts  am  meisten
geblüht  hat;  dagegen  ist  sie  am  Ende  des  17.  und  in  den
ersten  drei  Vierteilen  des  18.  Jahrhunderts  am  meisten
heruntergekommen.  Gerade  so  verhält  es  sich  mit  der
Foesie:  auch  hier  sind  es  nur  Momente,  wo  diese  Kunst
wirklich  hervortritt;  es  zeigt  sich  jedoch  nicht,  daß  sich
dieselbe  im  Laufe  der  Jahrhunderte  zu  einer  höheren
Potenz  steigert.

Wenn  wir  somit  ein  geographisches  Entwicklungsgesetz
  ausschließen,  wenn  wir  andererseits  annehmen
müssen,  wie  uns  die  Geschichte  lehrt,  daß  Völker  zu:
grunde  gehen  können,  bei  denen  die  begonnene  Entwicklung
  nicht  stetig  alles  umfaßt,  so  werden  wir  besser
erkennen,  worin  die  fortdauernde  Bewegung  der  Menschheit
  wirklich  besteht.  Sie  beruht  darauf,  daß  die  großen
geistigen  Tendenzen,  welche  die  Menschheit  beherrschen,
sich  bald  auseinander  erheben,  bald  aneinanderreihen.
In  diesen  Tendenzen  ist  aber  immer  eine  bestimmte  partikuläre
  Richtung,  welche  vorwiegt  und  bewirkt,  daß  die
übrigen  zurücktreten.  So  war  z.B.  in  der  zweiten  Hälfte
des  16.  Jahrhunderts  das  religiöse  Element  so  über:
wiegend,  daß  das  literarische  vor  demselben  zurücktrat.

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