Im  18.  Jahrhundert  hingegen  gewann  das  Utilisierungsbestreben
  ein  solches  Terrain,  daß  vor  diesem  die  Kunst
und  die  ihr  verwandten  Tätigkeiten  weichen  mußten.

In  jeder  Epoche  der  Menschheit  äußert  sich  also  eine
bestimmte  große  Tendenz,  und  der  Fortschritt  beruht
darauf,  daß  eine  gewisse  Bewegung  des  menschlichen
Geistes  in  jeder  Periode  sich  darstellt,  welche  bald  die
eine,  bald  die  andere  Tendenz  hervorhebt  und  in  der;
selben  sich  eigentümlich  manifestiert.

Wollte  man  aber  im  Widerspruch  der  hier  geäußerten
Ansicht  annehmen,  dieser  Fortschritt  bestehe  darin,  daß
in  jeder  Epoche  das  Leben  der  Menschheit  sich  höher
potenziert,  daß  also  jede  Generation  die  vorhergehende
vollkommen  übertreffe,  mithin  die  letzte  allemal  die  bevorzugte,
  die  vorhergehenden  aber  nur  die  Träger  der
nachfolgenden  wären,  so  würde  das  eine  Ungerechtigkeit
  der  Gottheit  sein.  Eine  solche  gleichsam  mediatisierte
Generation  würde  an  und  für  sich  eine  Bedeutung  nicht
haben;  sie  würde  nur  insofern  etwas  bedeuten,  als  sie  die
Stufe  der  nachfolgenden  Generation  wäre,  und  würde
nicht  in  unmittelbarem  Bezug  zum  Göttlichen  stehen.
Ich  aber  behaupte:  jede  Epoche  ist  unmittelbar  zu  Gott,
und  ihr  Wert  beruht  gar  nicht  auf  dem,  was  aus  ihr  her&gt;
vorgeht,  sondern  in  ihrer  Existenz  selbst,  in  ihrem  eigenen
Selbst.  Dadurch  bekommt  die  Betrachtung  der  Historie,
und  zwar  des  individuellen  Lebens  in  der  Historie,  einen
ganz  eigentümlichen  Reiz,  indem  nun  jede  Epoche  als
etwas  für  sich  Gültiges  angesehen  werden  muß  und  der
Betrachtung  höchst  würdig  erscheint.

Der  Historiker  hat  also  ein  Hauptaugenmerk  erstens
darauf  zu  richten,  wie  die  Menschen  in  einer  bestimmten
Periode  gedacht  und  gelebt  haben;  dann  findet  er,  daß,
abgesehen  von  gewissen  unwandelbaren  ewigen  Haupt:
ideen,  z.  B.  den  moralischen,  jede  Epoche  ihre  besondere
Tendenz  und  ihr  eigenes  Ideal  hat.  Wenn  nun  aber  auch
jede  Epoche  an  und  für  sich  ihre  Berechtigung  und  ihren
Wert  hat,  so  darf  doch  nicht  übersehen  werden,  was  aus

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