R.:  Ich  gebe  das  zu,  aber  nicht  prinzipgemäß;  denn  die
Geschichte  lehrt  uns,  daß  manche  Völker  garnichtkultur:
fähig  sind,  und  daß  oft  frühere  Epochen  viel  moralischer
waren  als  spätere.  Frankreich  in  der  Mitte  des  17.  Jahr
hunderts  z.  B.  war  viel  moralischer  und  gebildeter  als  zu
Ende  des  18.  Jahrhunderts.  Wie  gesagt,  eine  größere  Expansion
  der  moralischen  Ideen  läßt  sich  behaupten,  aber
nur  in  bestimmten  Kreisen.  Vom  allgemein  menschlichen
Standpunkt  aus  ist  es  mir  wahrscheinlich,  daß  die  Idee
der  Menschheit,  die  historisch  nur  in  den  großen  Nationen
repräsentiert  ist,  allmählich  die  ganze  Menschheit  umfassen
  sollte,  und  dies  wäre  dann  der  innere  moralische
Fortschritt.  Die  Historie  opponiert  sich  dieser  Anschausung
  nicht,  weist  sie  aber  nicht  nach.  Insbesondere  müssen
wir  uns  hüten,  diese  Anschauung  zum  Prinzipe  der  Ges
schichte  zu  machen.

Unsere  Aufgabe  ist,  uns  bloß  an  das  Objekt  zu  halten.

ZWEITER  VORTRAG)

einleitende  Betrachtung  vornehmlich  beschäftigte,

ist,  wie  wir  sahen,  nicht  anwendbar  auf  ver:
schiedene  Dinge.  Er  ist  nicht  anwendbar  auf  die  Verbindung
  der  Jahrhunderte  im  allgemeinen;  d.h,  man
wird  nicht  sagen  dürfen,  daß  ein  Jahrhundert  dem  anderen
  dienstbar  sei.  Ferner  wird  dieser  Begriff  nicht  anwendbar
  sein  auf  die  Produktionen  des  Geniusin  Kunst,
Poesie,  Wissenschaft  und  Staat;  denn  diese  alle  haben
einen  unmittelbaren  Bezug  zum  Göttlichen;  sie  beruhen
zwar  auf  der  Zeit,  aber  das  eigentlich  Produktive  ist  un
abhängig  von  dem  Vorhergängigen  und  dem  Nachfolgenden.
  So  z.B.  ist  Thucydides,  der  die  Geschichtschreibung

1)  Vom  26.  September  1854.

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I)  er  Begriff  des  Fortschrittes,  mit  dem  sich  unsere