man  sagen  könnte,  der  Fortschritt  sei  an  jedem  Punkte
ohne  allen  Stillstand.  —  In  den  mehr  materiellen  Beziehungen
  also,  in  der  Ausbildung  und  Anwendung  der
exakten  Wissenschaften  und  ebenso  in  der  Herbeiführung
der  verschiedenen  Nationen  und  der  Individuen  zur  Idee
der  Menschheit  und  der  Kultur  ist  der  Fortschritt  ein  unbedingter.


Hingegen  fragtes  sich  bei  den  einzelnen  Geisteswissenschaften,
  namentlich  bei  der  Philosophie  und  Politik,  ob
hierin  in  der  Tat  ein  Fortschritt  stattgefunden  hat.  In  der
Philosophie  muß  ich  bekennen,  daß  mir  die  älteste  Philosophie,
  wie  wir  sie  bei  Plato  und  Aristoteles  ausgebildet
finden,  genügt.  In  formeller  Hinsicht  ist  man  nie  darüber
hinausgekommen,  und  auch  in  materieller  Beziehung
kommen  neuere  Philosophen  jetzt  wieder  auf  Aristoteles
zurück.  Dasselbe  ist  bei  der  Politik  der  Fall:  die  allgemeinen
  Grundsätze  derselben  finden  sich  schon  bei  den
Alten  mit  der  größten  Sicherheit  angegeben,  sosehr  auch
dienachfolgenden  Zeiten  an  Erfahrungen  und  politischen
Versuchen  reicher  geworden  sind.  Die  Politik,  in  der  wir
uns  jetzt  bewegen,  beruht  natürlich  auf  den  historisch
gegebenen  Zuständen.  Die  Fragen  von  der  konstitutionellen
  und  ständischen  Monarchie  usw.  sind  Fragen,  die
auf  unserem  Standpunkt  die  vollste  Berechtigung  haben,
die  aber  doch  nur  auf  den  gegebenen  Zuständen  beruhen  ;
denn  niemand  wird  behaupten  können,  daß  mit  der
Monarchie  in  der  Idee  schon  die  Stände  verknüpft  seien.
Die  späteren  Zeiten  haben  also  nur  das  vor  den  Alten
voraus,  daß  ihnen  eine  größere  Fülle  von  Erfahrungen
auf  dem  politischen  Gebiet  zu  Gebote  steht.  Ebenso  ist
die  Frage  von  der  Souveränität  des  Volkes  oder  des
Fürsten  nicht  durch  die  Wissenschaft  zu  lösen,  sondern
sie  wird  aufhistorischem  Wege  durch  die  Parteigestaltungen
  ausgemacht.  —  Was  ich  von  der  Politik  gesagt  habe,
gilt  auch  von  der  Geschichtschreibung.  Niemand  kann,
wie  berührt,  die  Prätension  haben,  ein  größerer  Geschichtschreiber
  zu  sein  als  Thucydides,  hingegen  habe  ich  selbst

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