die  Prätension,  etwas  anderes  in  der  Geschichtschreibung
zu  leisten  als  die  Alten;  weil  unsere  Historie  voller  strömt
als  die  ihrige,  weil  wir  andere  Potenzen  in  die  Historie
hereinzuziehen  suchen,  welche  das  gesamte  Leben  der
Völker  umfassen,  mit  einem  Worte,  weil  wir  die  Ge:
schichte  zur  Einheit  zu  fassen  suchen.  —

Nachdem  wir  so  einige  Hauptbegriffe  und  den  Ausgangspunkt
  dieser  Vorträge  festgestellt  haben,  gehen  wir
nunmehr  zum  eigentlichen  Gegenstand  derselben  über.

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Grundlagen  desrömischen  Reiches;  Überblick
  über  die  ersten  vier  Jahrhunderte
unserer  Ära

Am  Eingange  dieser  Betrachtungen  haben  wir  uns  vor:
erst  zu  vergegenwärtigen,  was  das  römische  Reich  war  in
bezug  auf  seinen  intellektuellen  Inhalt  und  Standpunkt.
Man  kann  sagen,  daß  alle  alte  Geschichte  in  die  römische
sich  hineinergießt,  gleichsam  in  einen  Strom,  der  ineinen
See  mündet,  und  daß  die  ganze  neuere  Geschichte  wieder
von  der  römischen  ausgeht.  Ich  wage  es  zu  behaupten,
daß  die  ganze  Geschichte  nichts  wert  wäre,  wenn  die
Römer  nicht  existiert  hätten.

Die  erste  Frage,  welche  Ew.  Majestät  angeregt  haben,
ist  die,  ob  die  alte  Geschichte  abgestorben  ist,  oder  inwiefern
  in  der  römischen  Geschichte  alle  Elemente  wirksam
  waren,  welche  die  alte  Geschichte  angeregt  hat.  Die
Lösung  dieser  Frage  ergibt  sich  daraus,  wenn  wir  er
wägen,  daß)  das  römische  Reich  errichtet  wurde  auf  dem
ihm  vorangegangenen,  durch  Alexander  den  Großen  und
seine  Nachfolger  gestifteten  griechisch-mazedonischorientalischen
  Reiche,  welches  in  sich  die  bedeutendsten
Momente  des  Orientalismus  aufgenommen  hatte.

Werfen  wir  hier  einen  kurzen  Rückblick  auf  die  älteste
Geschichte,  so  finden  wir  im  Orient  starke  religiöse

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