der  Einheit  Gottes—  wahrscheinlich  die  Uridee  der  Urzeiten
  —  erhalten,  aber  sie  betrachteten  Gott  mehr  als  einen
Nationalgott.  Da  erschien  Christus  und  hat,  auf  ihre  Re»
ligion  fußend,  den  allgemeinen  Gott  gepredigt  und  von
allen  Völkerinteressen  und  Nationalgöttern  abstrahiert.
Aus  dem  Judentum  ging  die  Weltreligion  hervor,  in  dem
Augenblicke,  wo  die  Römer  die  Eroberung  des  Orients
vollendet  hatten  und  eine  Masse  orientalischer  Elemente
in  ihr  Reich  aufnahmen  !!).  Der  ganze  religiöse  Kampf,
der  sich  im  orientalischen  Reiche  vollzogen  hatte,  ging  in
das  römische  Reich  über,  und  erst  im  römischen  Reiche
hat  das  Christentum  seine  Welteroberung  gemacht.  —
Wir  haben  somit  gesehen,  daß  in  religiöser  Beziehung
das  Römerreich  ein  Komplex  aller  früherer  Elemente  war.
Gehen  wir  nun  auf  die  politischen  Gegensätze  über.
Die  alten  Völker  des  Orients  waren  religiös  entzweit,
aber  politisch  vereint  und  waren  alle  Gegner  der  Griechen.
  Es  hatte  sich  dort  eine  ungeheure  Monarchie  aus»
gebildet,  deren  Herrschaft  sich  nur  die  entfernten  Karthager
  entziehen  konnten,  und  nun  trat  diesem  Koloß
das  kleine  Häufchen  der  Griechen  entgegen,  welche  sich
dem  ungestümen  Andrang  zu  widersetzen  wagten.  Die
Elemente  der  stetigen  Unabhängigkeit  und  der  großen
konzentrierten  Monarchie  gerieten  miteinander  in  einen
Konflikt,  in  welchem  weder  die  Perser  die  Griechen,  noch
die  Griechen  die  Perser  unterwerfen  konnten,  solange
nämlich  die  ersteren  republikanisch  waren,  weil  während
dieser  Epoche  die  Eifersucht  des  Volkes  jeden  stürzte,
dem  eine  größere  Unternehmung  zu  glücken  schien.
Die  Perser  wurden  nur  dadurch  dem  griechischen  Ele»
mente  untertan,  daß  auch  in  Griechenland  die  Monarchie
aufkam,  eine  Monarchie,  welche  das  griechische  Wesen
mit  orientalischen  Formen  repräsentierte.  Die  Monarchie,
die  bisher  rein  orientalisch  und  barbarisch  gewesen  war,

!)  In  der  späteren  Kaiserzeit  findet  sich  der  Isis-,  der  Mithrasund
  sonstiger  orientalischer  Götzendienst  —  vermischt  mit
jüdischen  und  christlichen  Anschauungen  —  in  Rom  vor.

2  Ranke,  Die  Epochen  der  neueren  Geschichte.  Nr.  290—292  17