wurde  gräzisiert.  Man  kann  sagen:  wenn  die  Monarchie
bloß  persisch  geblieben  wäre,  so  hätte  sie  niemals  im
Okzident  populär  werden  können,  und  wir  hätten  dann
vielleicht  nichts  anderes  gesehen  als  ein  wunderliches
Wesen,  ähnlich  der  Herrschaft  der  Sassaniden.  Allein,
wie  gesagt,  sosehr  sich  auch  die  Nachfolger  Alexanders
als  die  Nachfolger  der  Pharaonen  und  anderer  Dynastien
betrachteten,  so  wurde  doch  die  orientalische  Monarchie
mehr  zivilisiert,  indem  diese  Könige  nun  zugleich  als
Träger  der  Kultur  auftraten.  Man  denke  z.  B.  nur  an  Alexandria,
  jene  große  Pflanzschule  des  griechischen  Geistes!

Das  monarchische  Element  blieb  also  in  den  Gebiets:
teilen,  welche  später  römisch  wurden,  sehr  lebendig,  so
sehr,  daß  ich  glaube,  daß,  wenn  Marcus  Antonius,  der
nach  Ägypten  ging  und  mit  der  Kleopatra  haushielt,  gesiegt
  hätte,  er  vermöge  seiner  orientalischen  Sympathien
die  orientalische  Monarchie  auf  den  Okzident  übertragen
haben  würde.  —

Der  griechisch-republikanische  Geist  wurde  aber
durch  diese  Vorgänge  nicht  unterdrückt,  sondern  erhielt
sich  fortwährend  lebendig  und  wirkte  auf  Rom  zurück,
zu  einer  Zeit,  wo  dort  nur  mehr  die  Formen  der  Republik
  bestanden.  Dieser  griechisch-republikanische  Geist
hatte  einen  um  so  größeren  Einfluß  auf  Rom,  als  er  das
republikanische  Prinzip  mehr  theoretisiert  hatte  und  es
in  solcher  Gestalt  fortpflanzte,  indem  die  vornehmen
Römer  eine  vollkommen  griechische  Erziehung  sich  an&gt;
eigneten.  Auf  diesem  griechisch-republikanischen  Boden
hat  Augustus  seine  Monarchie  errichtet,  keine  Monarchie,
wie  wir  sie  uns  denken,  sondern  ein  Prinzipat,  in  dem
alle  republikanischen  Formen  stehenblieben.  Augustus
hätte  es  nie  gewagt,  sich  König  zu  nennen,  und  insofern
unterschied  sich  die  Tendenz  des  Antonius  total  von  der
des  Augustus.

Bei  den  Griechen  war  indes  außer  der  Religion  und
Politik  noch  ein  Moment  hervorragend,  welches  Rom  in
sich  aufnahm,  nämlich  das  der  Kunst  und  Literatur,  ein

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