DRITTERVORTRAG)

Römer  in  den  ersten  Jahrhunderten  gegründet
worden  war,  auf  diesem  von  ihnen  eingenommenen
unermeßlichen  Schauplatz  zu  Stande  kam.

Dies  kann  der  Natur  der  Sache  nach  nicht  mehr  etwas
nach  außen  hin,  sondern  nach  innen  Gehendes  gewesen
sein,  da  es  nicht  möglich  ist,  daß  ein  Reich  sich  unaufhörlich
  nach  außen  entwickle.  Auch  Rom  fand  also  seine
Grenze,  und  es  trifft  in  gewisser  Hinsicht  mit  der  welthistorischen
  Tendenz,  die  man  freilich  erst  hinterher
erkennen  kann,  zusammen,  daß  die  erobernde  Kraft  sich
bloß  nach  dem  Okzident  ergoß.  Wenn  man  sich  wundert,
  daß  die  Römer  nicht  auch,  wie  Alexander  der
Große,  nach  Arabien  und  Indien  gingen,  sondern  alle
ihre  Kräfte  darauf  verwendeten,  Spanien,  Gallien,  Ger:
manien,  Dacien  zu  zivilisieren,  so  liegt  der  welthistorische
Grund  dieser  Erscheinung  darin,  daß  die  zivilisierende
Tendenz  im  Osten  schon  durchgeführt  war,  und  der
welthistorische  Beruf  Roms  nur  der  war,  von  der  Mitte
der  Welt  aus,  welche  Rom  eingenommen  hatte,  den
Okzident  zu  zivilisieren.  Dazu  brauchten  die  Römer  aber
nichts  weiter  als  die  eroberten  Elemente;  die  übrigen
konnten  sie  ausschließen.

Die  Produktionen,  welche  Rom  zum  Vorschein  brachte,
sind  folgende:  1.  eine  allgemeine  Weltliteratur  —  2.  die
Ausbildung  des  römischen  Rechts  zu  einem  allgemeinen
Rechte  —  3.  die  Bildung  der  monarchischen  Verfassung
und  damit  im  Zusammenhang  die  Bildung  einer  durchgreifenden
  Verwaltung  —  4.  die  Erhebung  der  christlichen
  Kirche  zur  Herrschaft.

F:  fragt  sich  nunmehr,  was,  nachdem  das  Reich  der

‘)  Vom  27.  September  1854.