von  Athen  z.B.  ist  in  den  Epochen  des  prägnantesten,
ich  möchte  sagen,  schroffsten  Geistes  entstanden.  Diese
Art  von  literarischer  Produktion  konnte  nun  später  nicht
mehr  stattfinden.  Die  Dialekte  schliffen  sich  ab,  und  anstatt
  des  attischen  kam  der  allgemeine  Dialekt  auf;  es
konnten  jetzt  auch  Schriftsteller  von  der  Größe  wie  in
der  früheren  Zeit  nicht  mehr  entstehen.  Die  nunmehrigen
  Autoren  der  Griechen  teilen  nur  das  allgemein
Wissenswerte  mit,  und  ihnen  gesellten  sich  die  Römer
bei.  Da  keine  Reibung  der  Parteien  mehr  stattfand,  so
hörten  selbstverständlich  auch  die  großen  Redner  auf,
und  man  schrieb  Briefe,  wie  Plinius  und  andere.

Mit  einem  Wort:  es  wurde  eine  allgemeine  Literatur
gegründet,  welche,  alle  Zweige  des  Wissens  umfassend,
sich  in  beiden  Sprachen  bewegte,  in  der  griechischen  mit
mehr  Glück,  in  der  lateinischen  mit  mehr  Applikation.

2.  Juristische  Entwicklung

Hier  muß  man  davon  ausgehen,  daß  der  eigentlich
wissenschaftliche  Genius  der  Römer  juridischer  Natur
war.  In  keinem  Zweige  sind  sie  so  originell  gewesen  wie
im  bürgerlichen  Rechte.  Die  anderen  Nationen  haben
zwar  hierin  auch  einiges  geleistet,  aber  die  Römer  haben
vom  Ursprung  ihres  Staates  an  die  Begriffe  des  Rechtes
so  scharf  erfaßt  und  mit  so  großer  Konsequenz  ausgebildet
  wie  kein  anderes  Volk.

Ursprünglich  wurde  das  Recht  nur  übertragen  von
einem  Lehrer  auf  den  anderen  sowie  als  gültiges  Recht
auf  dem  Forum.  Das  römische  Recht  erhielt  aber  darum
eine  so  bedeutende  Ausbildung,  nachdem  das  römische
Reich  mächtig  geworden  war,  weil  da  den  großen  Juristen,
  die  in  den  Juristenschulen  von  den  Kaisern  herangezogen
  wurden,  in  ihren  Aussprüchen  Gesetzeskraft
beigelegt  wurde,  so  daß  Theorie  und  Praxis  sich  niemals
enger  vereinigten  als  während  der  römischen  Kaiserzeit.

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