sich  verbreiteten,  und  a.  m.  Hätten  diese  Sekten  die
Oberhand  gewonnen,  welche  das  Christentum  zu  orientalisieren
  suchten,  so  wäre  auch  aus  letzterem  nichts
anderes  geworden  als  eine  dieser  orientalischen  Religionen.
  Das  Christentum  fand  aber  eine  andere  Ver:
bindung,  mit  deren  Hilfe  es  sich  diesen  Einflüssen  widersetzte,
  nämlich  die  mit  der  römischen  und  griechischen
Philosophie.  Die  Weltweisen,  ja  zuweilen  auch  die
Dichter  dieser  beiden  Nationen  hatten  von  jeher  in  einer
gewissen  Opposition  gegen  den  Götzendienst  gestanden,
und  so  wurde  es  auch  dem  Christentum  nicht  schwer,
sich  an  diese  Philosophen  anzulehnen,  wohingegen  auch
viele  der  christlichen  Märtyrer  den  Heiden  als  Philosophen
  erschienen,  insofern  sie  von  vielen  Dingen  ab»
strahierten,  an  denen  andere  festhielten  (Justinus).

Das  Hauptmoment,  welches  dem  Christentum  zustatten
  kam,  ist  wissenschaftlicher  und  dialektischer  Na:
tur.  Während  der  Götzendienst  mehr  oder  minder  in
die  größten  Abenteuerlichkeiten  und  Phantasmagorien
ausgeartet  war,  besaßen  die  wissenschaftlichen  und  religiösen
  Begriffe  des  Christentums,  abgesehen  von  dem
unergründlichen  Mysterium,  auf  dem  es  basiert,  vielmehr
  die  Eigenschaft,  nach  den  verschiedensten  Seiten
hin  erörtert  werden  zu  können.  Man  erkannte  bald,  daß
das  Christentum  mit  den  größten  Produktionen  des
menschlichen  Geistes  zusammentraf,  und  diese  Erkennt:
nis  war  einer  der  mächtigsten  Hebel  bei  der  Verbreitung
der  Weltreligion.  Diese  Verbindung  des  Christentums
mit  der  antiken  Kultur,  die  Ehe  der  zwei  Prinzipien,  die
einander  widerstehen  und  doch  unaufhörlich  verbunden
waren,  sie  ist  es,  die  der  Sache  eigentlich  ihre  Weltbedeutung
  gegeben  hat.

Ganz  unabhängig  von  Interessen,  die  irgendein  Potentat
  wie  Konstantin  verfochten  haben  mag,  hat  die  Weltstellung
  des  römischen  Reiches,  die  eigentümliche  Richtung
  des  römischen  Geistes  in  religiöser  und  moralischer
Beziehung  und  die  einheitliche  Verfassung  inVerbindung

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