Ideen  durch  Besiegung  der  anderen  Völker  über  die
Welt  verbreitet,  so  würden  sie  damit  zugleich  ihre
Sprache  und  ihr  ganzes  Wesen  den  anderen  Völkern  aufgeprägt
  haben;  die  übrige  Welt  würde  ebenso  romanisiert
und  gräzisiert  worden  sein,  wie  es  bereits  im  Orient  und
teilweise  auch  im  Okzident  geschehen  war.  Dahin  aber
sollte  es  nicht  kommen;  die  anderen  Nationen  der  Welt
hätten  dadurch  ihre  ganze  Ursprünglichkeit  eingebüßt.
Da  indes  die  Römer  auch  nicht  stark  genug  waren,  das
zu  vollführen,  so  fiel  jene  Aufgabe  den  Germanen  zu.
Diese  durchbrachen  aufallen  Seiten  den  römischen  Limes,
und  erst  dadurch,  daß  sie  das  Christentum  annahmen,
wurde  die  Weltreligion  die  Religion  aller  Nationen.
Einen  merkwürdigen  Gegensatz  hierzu  bilden  die
Araber,  welche  nicht  die  Weltreligion,  wohl  aber  die
römische  Kultur  in  sich  aufnahmen.  Dadurch  aber  entwickelte
  sich  die  wunderbare  Weltverkettung,  daß  auf
der  einen  Seite  im  Westen  die  Germanen,  auf  der  anderen
Seite  im  Osten  die  Araber  die  von  den  Römern  über:
lieferten  Anschauungen  kultivierten  und  fortpflanzten.

FÜUNFTER  VORTRAG)
82

Umwandlung  desrömischenReiches  durch

die  Einwanderungen  der  Germanen  und
die  Eroberungen  der  Araber

nsere  germanischen  Altvordern  ?)  waren  in  folgen»
der  Weise  um  die  römische  Welt  gelagert:

An  der  nordfranzösischen  und  niederländischen
Küste  saßen  die  Friesen  und  Sachsen.  Die  Römer  hatten

")  Vom  30.  September  1854.

?)  Mit  dem  Namen  Germanen  wurden  (nach  Tacitus)  ur:
sprünglich  keine  deutschen  Völkerschaften,  sondern  ein  paar
keltische  Stämme  in  den  wallonischen  Niederlanden  bezeichnet.

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