Kontakt.  Sehr  anschaulich  tritt  das  bei  den  Historikern
hervor,  so  bei  Jordanes  in  seiner  Geschichte  der  Goten,
bei  Gregor  von  Tours  in  seiner  Frankengeschichte,  später
bei  Paulus  Diaconus  in  seiner  Geschichte  der  Langobarden.
  In  diesen  höchst  unvollkommenen  Versuchen
zeigt  sich  jene  Vermischung  und  Berührung  der  Geister,
woraus  in  der  späteren  Zeit  ein  drittes  lebensfähiges
Element  hervorging.

Die  Kirche,  das  Königtum,  die  Verfassung,  die  Ver:
waltung,  das  Recht,  die  Literaturwaren  nunmehrromano:»
germanisch  geworden.

*

Auf  ganz  andere  Weise  fing  der  Kampf  der  bestehen»
den  mit  neu  entstehenden  Elementen  im  Orient  an.  Dort
waren  nicht  um  das  römische  Reich  her  eine  Anzahl
Volksstämme  gelagert,  die  es  zu  erobern  trachteten,  nachdem
  sie  in  dessen  Kriegsdienste  getreten:  die  Haupts
bewegung  im  Osten  ging  von  der  Religion  aus.  In  der
Religion  waren  die  orientalischen  Völker  noch  lebendig
angeregt,  und  es  waren  in  dieser  Hinsicht  hier  die  größten
  Gegensätze  vorhanden,  nämlich:  1.  die  Juden  mit
ihrem  uralten  Monotheismus,  die  im  vierten  und  fünften
Jahrhundert  solche  Fortschritte  unter  den  Arabern
machten,  daß  ein  ganzer  Stamm  dieses  Volkes  zum
Judentum  überging;  2.  der  arabische  Götzendienst,
hauptsächlich  Gestirndienst;  3.  der  Parsismus,  der  wieder
  erneuert  worden  war,  und  eine  Menge  verwandter
dualistischer  Doktrinen;  4.  weiter  im  Osten  der  Bud:&gt;
dhismus,  welcher  sich  der  brahmanischen  Religion  ent
gegensetzte,  was  in  der  allgemeinen  Bewegung  auch  auf
den  Westen  zurückwirkte.  Auf  der  anderen  Seite  drangen
in  den  Orient  die  aus  dem  römischen  Reiche  durch  die
Beschlüsse  der  Konzilien  verdrängten  Sekten  ein,  Nestorianer,
  Monophysiten  und  andere  mehr,  welche  haupt:
sächlich  darum  stritten,  wie  die  Idee  vom  Sohne  Gottes
zu  denken  sei.

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